Dritter Warnstreik bei Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) in Nauen

Beschäftigte bei BSH in Nauen sind sehr enttäuscht vom Angebot ihres Arbeitgebers

17.07.2025 | Nach der ergebnislosen dritten Verhandlungsrunde über einen Tarifvertrag am Vortag traten die Beschäftigten bei Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) in Nauen am Donnerstag, 17. Juli, zwischen 12.00 und 16.00 Uhr in einen vierstündigen Warnstreik, um den Druck auf die Arbeitgeberseite weiter zu erhöhen. Während der vierstündigen Arbeitsniederlegung der Früh- und der Spätschicht stand die Produktion im Werk komplett still.

An dem vierstündigen Warnstreik bei BSH in Nauen am 17. Juli nahmen nahezu sämtliche Kolleginnen und Kollegen der Früh- und der Spätschicht teil. - Fotos. Volker Wartmann

IG Metall-Verhandlungsführerin Anne Borchelt (rechts), Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, informierte die Belegschaft über die Verhandlung am Vortag.

Die Warnstreikenden hören aufmerksam zu.

Zu Beginn des Warnstreiks war der Boden noch trocken.

Warnstreik und gute Laune sind kein Widerspruch.

Mehrere Warnstreikende hatten sich Campingstühle mitgebracht.

Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Metallerin Margit Gelhar (links) freute sich über die große Beteiligung ihrer Kolleginnen und Kollegen an diesem Warnstreik.

Die Kolleginnen und Kollegen bei BSH in Nauen sind bereit, für ihre berechtigten Interessen weiter zu kämpfen.

Bei einem warnstreik muss man nicht immer die gesamte Zeit stehen.

Klare Botschaft: Tarifvertrag - eine saubere Sache.

Stefanie Jahn (links), Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam, half zwischenzeitlich bei der Würstchenausgabe mit.

Die Kollegen bei BSH in Nauen wollen endlich genauso fair behandelt werden wie die Beschäftigten im Westen Deutschlands.

Während der gelegentlichen Regenschauer versammelten sich viele Warnstreikende unter den überdachten Fahradabstellplätzen.

Die Kolleginnen und Kollegen sind von dem mickrigen ersten Angebot ihres Arbeitgebers sehr enttäuscht.

Selbstverständlich hatte die IG Metall Oranienburg-Potsdam auch Regencapes dabei.

Die Belegschaft bei BSH in Nauen ist enttäuscht und sauer über das mickrige Angebot ihres Arbeitgebers in der dritten Verhandlungsrunde. Dieser hatte bei der Verhandlung am 16. Juli einen Vorschlag unterbreitet, der für einen Beschäftigten in der Entgeltgruppe drei gerade einmal 700 Euro brutto mehr pro Jahr bringen würde.

„Das bedeutet heruntergerechnet lediglich 58 Euro pro Monat mehr – brutto“, sagte Anne Borchelt, IG Metall-Verhandlungsführerin und Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, empört. „Ein solcher Vorschlag des Arbeitgebers ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Der Arbeitgeber müsste sich für ein solch mickriges Angebot eigentlich schämen. 58 Euro brutto pro Monat mehr anzubieten ist keine spürbare Entgelterhöhung, wie wir sie fordern, sondern eine bodenlose Frechheit.“

Der Arbeitgeber hatte in der Verhandlung die Zahlung von 50 Prozent Weihnachts- und ein wenig Urlaubsgeld in Aussicht gestellt. Dafür soll es im Gegenzug die bisherige Jahressonderzahlung von etwa 40 Prozent eines Monatslohns nicht mehr geben. Das würde – wie gesagt – summa summarum nur 58 Euro brutto pro Monat mehr bedeuten. Das ist nach einhelliger Meinung der Beschäftigten absolut inakzeptabel.

Die IG Metall hatte dem Arbeitgeber auf dessen Bitte bereits vor der zweiten Verhandlung Ende Juni einen konkreten Vorschlag vorgelegt, wie die Tarifparteien in den nächsten Jahren in mehreren, kleinen Schritten einen Flächentarifvertrag erreichen können. Darauf ist der Arbeitgeber bisher noch gar nicht eingegangen.

„Der Arbeitgeber weiß, dass wir es ernst meinen“, sagte Anne Borchelt. „Keinen Tarifvertrag – das wird es mit dieser Belegschaft nicht geben.“ Borchelt verwies darauf, dass das Angebot des Arbeitgebers weit unter dem liege, was dieser kürzlich mit der IG Metall in einem Tarifvertrag für das Logistikunternehmen des Konzerns – dem Bosch-Siemens-Hausgeräte-Service Nauen – vereinbart hat. „Es geht um die Abschaffung der Ungerechtigkeit an diesem Standort“, betonte Anne Borchelt. „Ein Ergebnis, das unter dem der Logistiker liegt, ist für uns absolut ausgeschlossen.“

Die nächste Verhandlung ist für den 23. Juli terminiert – in virtueller Form. Der Arbeitgeber hat bereits angekündigt, seinen Vorschlag nicht zu nachzubessern. Anne Borchelt warnte den Arbeitgeber davor, weiter zu eskalieren. „Wir haben dem Arbeitgeber angedeutet, dass es, wenn er sich nicht bewegt, nicht bei ein paar kleinen Warnstreiks bleiben wird“, bekräftigte Anne Borchelt.

Die Tarifkommission wird in Absprache mit den Kolleginnen und Kollegen in den kommenden Tagen und Wochen entscheiden, mit welchen Aktionen es demnächst weitergehen wird, um die Arbeitgeberseite zu einem Entgegenkommen zu bewegen.

Kleine Randnotiz: Eine Delegation der Konzernführung hatte einen für diesen Tag angekündigte Fabrikbesichtigung abgesagt, offensichtlich, weil sie von dem Warnstreik Wind bekommen hatte und sich der Diskussion mit der Belegschaft vor dem Werkgelände nicht stellen wollte.

„Das Angebot von nur etwas mehr als 30 Euro netto mehr pro Monat ist ein Witz“, sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Margit Gelhar. „Die Kolleginnen und Kollegen waren sprachlos und konnten nicht glauben, dass das der Ernst der Arbeitgeberseite sein soll.“ Nach Bekanntwerden des Vorschlags der Arbeitgeberseite hätten alle sofort gesagt: „Wir müssen sofort raus zum nächsten Warnstreik“, so Gelhar. Margit Gelhar betonte: „Der Mutterkonzern steht doch in der Pflicht, dass alle Beschäftigten im Unternehmen fair und gleichbehandelt werden.“

Bundesweit arbeiten beim Bosch-Siemens-Hausgeräte-Konzern (BSH) rund 16.000 Beschäftigte unter fairen Flächentarifbedingungen – nur am einzigen Standort im Osten Deutschlands nicht: in Nauen. Die rund 460 Kolleginnen und Kollegen hier haben bisher keinen Tarifvertrag.

Die Ungerechtigkeit im Konzern zwischen Ost und West spiegelt sich in zahlreichen Punkten wider: Im Gegensatz zu den Beschäftigten an den BSH-Standorten in Westdeutschland erhalten die Beschäftigten in Nauen beispielsweise kein Weihnachts- und kein Urlaubsgeld, keine über die gesetzlich vorgeschriebenen hinausgehenden Schichtzulagen, kein tarifliches Zusatzgeld (T-ZUG) und kein Transformationsgeld.

35 Jahre nach dem Mauerfall und 30 Jahre nach Gründung des Werks in Nauen sei es mehr als überfällig, „dass die Beschäftigten in Nauen gleichbehandelt werden wie die Kolleginnen und Kollegen an den Standorten im Westen“, so Borchelt. „Die Beschäftigten liefern hier am Standort ausgesprochen gute Arbeit ab und haben das Recht, genauso gut zu verdienen und genauso fair behandelt zu werden wie ihre Kolleginnen und Kollegen im Rest des Landes.“

 

Von: vw

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