21.09.2026 | Am bundesweiten IG Metall-Aktionstag gegen den Kahlschlag in der Automobil- und Automobilzulieferindustrie am 21. September beteiligten sich bei ZF in Brandenburg an der Havel mehrere hundert Beschäftigte. Bei einer aktiven Pause zwischen 10.45 Uhr und 11.15 Uhr auf dem Betriebsgelände protestierten sie für sichere Arbeitsplätze und die Zukunft der Automobilindustrie in Deutschland.
„Wir wissen, dass Veränderungen notwendig sind. Die Automobilindustrie steckt in einer schwierigen Zeit“, sagte Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg Potsdam vor den Versammelten. „Aber was wir nicht akzeptieren, ist, dass allein die Beschäftigten immer die Rechnung für Fehlentscheidungen zahlen sollen.“
Die deutsche Automobilindustrie stecke nicht in einer Verbrenner-Verbotskrise, sondern in einer Wettbewerbs-, Technologie- und Wertschöpfungskrise, betonte Jahn. Die entscheidende Frage sei nicht, die deutschen Arbeitskosten mit Billiglohnländern vergleichbar zu machen, sondern tragfähige Zukunftsstrategien und Geschäftsmodelle für die deutsche Automobilindustrie zu entwickeln. Das heißt: Moderne Autos zu bauen, die in Deutschland zu realistischen deutschen Löhnen gebaut und weltweit verkauft werden können.
„Eine starke Industrie entsteht nicht dadurch, dass man Menschen unter Druck setzt. Sie entsteht durch Investitionen, Innovationen, Ideen und Mut – und vor allem durch Menschen, die jeden Tag die Leistung bringen. In der Automobilindustrie in Deutschland arbeiten motivierte, kreative und produktive Kolleginnen und Kollegen. Sie sind nicht das Problem, sondern die Lösung“, sagte Jahn. „Jetzt reicht’s: Längere Arbeitszeiten, Werksschließungen und Stellenabbau sind keine Zukunftspolitik, sondern ein Armutszeugnis.“
Jahn unterstrich: „Wir müssen wichtige Schlüsselindustrien in Deutschland halten und ausbauen. Jetzt müssen Vorstände und Politiker ihre Hausaufgaben machen und mit klugen Investitionen gemeinsam um die Technologieführerschaft in der Welt kämpfen.“
Sie stellte klar, dass sich die Beschäftigten nicht gegeneinander ausspielen lassen. „Unsere Stärke war immer der Zusammenhalt. Solidarität ist unsre stärkste Marke.“
Das betonte auch sagte Sophie Jänicke, Tarifsekretärin beim IG Metall-Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen, in ihrer kurzen Ansprache an die Teilnehmenden. „Hier in Deutschland ist einiges faul, aber nicht die Beschäftigten. Das zu behaupten, ist eine Unverschämtheit“, sagte Jänicke. Mit Blick auf die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie unterstrich Jänicke: „Eine Verlängerung der Arbeitszeiten, wie die Arbeitgeber es fordern, ist die falsche Strategie, um die Transformation zu bewältigen. Wenn man Beschäftigung halten will, muss man die Arbeitszeit vielmehr reduzieren.“
Auch Sandro Hoffmann, Betriebsratsvorsitzender bei ZF in Brandenburg, bekräftigte die Forderung nach einer sozial gerechten Transformation der Automobilindustrie. „Mit jeder Verlagerung gehen Arbeitsplätze, Kompetenzen und Perspektiven an unsren deutschen Standorten verloren“, sagte Hoffmann. Allein im Jahr 2025 seien in Deutschland 125.000 Industriearbeitsplätze abgebaut worden, doppelt so viele wie im Jahr zuvor, erläuterte Hoffmann. „Die Beschäftigten dürfen nicht die Zeche für strategische Fehlentscheidungen und Renditeziele zahlen.“ Er appellierte eindringlich an die Politik, die Arbeitgeberverbände und den Vorstand von ZF, die politischen Rahmenbedingungen für sichere Industriearbeitsplätze zu schaffen. „Wir Beschäftigten sind nicht das Problem. Wir sind die Stärke und das Rückgrat der ZF.“