Warnstreik bei Hartmann in Brück

Beschäftigte fordern von der Arbeitgeberseite endlich ein ernstzunehmendes Verhandlungsangebot

09.04.2026 | Zwischen 13 und 15 Uhr lief am Donnerstag, 9. April, beim Inkontinenzprodukte-Hersteller Paul Hartmann in Brück gar nichts mehr. Die Werkhallen waren wie leergefegt, die Produktion stand komplett still. Der Grund: Nahezu sämtliche Kolleginnen und Kollegen aus der Produktion und weiteren Abteilungen versammelten sich bei heiterem Aprilwetter zu einem Warnstreik vor dem Werktor, um den Druck auf die Arbeitgeberseite in den laufenden Tarifverhandlungen der Textilindustrie Ost spürbar zu erhöhen. Denn die Arbeitgeberseite hat bisher noch kein ernstzunehmendes Angebot vorgelegt.

Während des zweistündigen Warnstreiks bei Hartmann in Brück am 9. April stand die Produktion im Werk komplett still. - Fotos: Volker Wartmann

IG Metall-Verhandlungsführerin Eileen Müller appellierte an die Arbeitgeberseite, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen.

Darum geht es den Kolleginnen und Kollegen bei Hartmann: mehr Geld!

Die Kolleginnen und Kollegen stehen geschlossen hinter den Forderungen der IG Metall.

Der Metaller und Betriebsratsvorsitzende Gunnar Kitzel freute sich sehr über die gute Beteiligung an diesem Warnstreik.

Die Kolleginnen und Kollegen fordern von der Arbeitgeberseite bei der kommenden Verhandlung am 14. April endlich ein ernstzunehmendes Angebot.

Pyrotechnik ist doch kein Verbrechen ...

Im Hintergrund sind die leeren Werkshallen zu sehen.

Jordi Ziour, politischer Sekretär der IG Metall Oranienburg-Potsdam, kündigte zum Abschluss des Warnstreiks an: "Wir werden uns wiedersehen."

Für Verpflegung während des Warnstreiks war bestens gesorgt.

Markus Moskau vom DGB Westbrandenburg überbrachte den Warnstreikenden solidarische Grüße von DGB.

Lautstarke Unterstützung für die Forderungen der IG Metall.

In den zwei bisherigen Verhandlungsrunden hat der Arbeitgeberverband Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti) erst gar nichts und dann ein Angebot vorlegt, das den Namen Angebot nicht verdient. Die Arbeitgeber wollen sage und schreibe erst ab Oktober 2027 mickrige 80 Euro im Monat mehr für alle Beschäftigten zahlen und vorher lediglich den Lohn für die unteren Lohngruppen an den gesetzlichen Mindestlohn anpassen. Das ist für die Beschäftigten und die IG Metall absolut inakzeptabel!

Die IG Metall fordert für die Beschäftigten in der Textilindustrie Ost fünf Prozent mehr Entgelt, beziehungsweise mindestens 150 Euro im Monat mehr für die unteren Lohngruppen, außerdem eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütung. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.

„18 Monate ohne Lohnerhöhung vorzuschlagen ist eine bodenlose Frechheit und ein Schlag ins Gesicht der Kolleginnen und Kollegen, die hier jeden Tag gute Arbeit leisten“, sagte IG Metall-Verhandlungsführerin Eileen Müller von der IG Metall-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Wir haben unsere Forderung mit Augenmaß gestellt. Angesichts der stark steigenden Verbraucherpreise sind unsere Forderungen mehr als angemessen.“

Müller betonte, dass „wir Tarifverträge brauchen, die über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen.“ „Darum fordern wir eine überproportionale Lohnerhöhung für die unteren Lohngruppen um mindestens 150 Euro“, so Müller. Auch eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütung sei dringend notwendig. „Bei der Ausbildungsvergütung liegen wir mehr als 200 Euro hinter den westdeutschen Tarifgebieten“, sagte Müller. „Mit solch niedrigen Löhnen können wir die dringend benötigten Fachkräfte nicht gewinnen.“

Eileen Müller stellte klar: „Verzicht und Zurückhaltung bringen uns in dieser Situation nicht weiter. Wir wollen unseren gerechten Anteil. Das müssen die Arbeitgeber endlich verstehen.“ Es könne nicht sein, dass Fehlentscheidungen der Unternehmen auf die Beschäftigten abgewälzt werden, so Müller.

Eileen Müller appellierte an die Arbeitgeber, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. „Eigentum verpflichtet“, unterstrich Müller. „Unternehmen tragen eine Verantwortung für ihre Beschäftigten und die Region, in der sie tätig sind.“

Der Metaller und Betriebsratsvorsitzende Gunnar Kitzel fasste die Stimmung in der Belegschaft wie folgt zusammen: „Die Kollegen sind frustriert und sauer.“ Er freute sich aber auch darüber, wie viele Kolleginnen und Kollegen sehr motiviert seien, gegen die bestehende Ungerechtigkeit aktiv anzugehen. Kitzel: „Die Kolleginnen und Kollegen haben ja den Vergleich zur Mutterfirma in Heidenheim. Dort verdienen die Beschäftigten durch übertarifliche Zahlungen etwa ein Viertel mehr als wir an unserem Standort.“

Die nächste Verhandlung zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeberverband vti findet am Dienstag, 14. April, statt. „Für weitere Spielchen und Verzögerungstaktiken haben wir angesichts der aktuellen Lage kein Verständnis“, sagte Jordi Ziour, politischer Sekretär der IG Metall Oranienburg-Potsdam, zum Abschluss des Warnstreiks zu den Kolleginnen und Kollegen und kündigte an: „Wir werden uns wiedersehen. Sollten die Arbeitgeber in der kommenden Woche kein ernstzunehmendes Angebot vorlegen, sind wir bereit, den Druck weiter erhöhen.“

 

 

 

Von: vw

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