IG Metall Oranienburg und Potsdam
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30.11.2021, 03:11 Uhr

Vierter Warnstreik im Zahnradwerk in Pritzwalk

Beschäftigte im Zahnradwerk lassen sich auch durch weitere, respektlose „Angebote“ der Geschäftsführung nicht spalten

  • 10.11.2021
  • Aktuelles

Vier Stunden gähnende Leere – so sah es am 10. November zwischen 12.00 und 16.00 Uhr in den Werkhallen des Zahnradwerks Pritzwalk aus: Die Beschäftigten der Früh- und Spätschicht hatten die Arbeit niedergelegt und versammelten sich zu ihrem mittlerweile vierten Warnstreik vor dem Werktor, weil sich ihr Arbeitgeber sich noch immer penetrant weigert, sich mit der IG Metall an einen Tisch zu setzen und über einen Tarifvertrag zu verhandeln.

Die Beschäftigten im Zahnradwerk Pritzwalk stehen geschlossen hinter den Forderungen der IG Metall. - Fotos: Volker Wartmann

Die Botschaft der Beschäftigten an die Geschäftsführung ist unmissverständlich.

IG Metall-Verhandlungsführerin Anne Borchelt (links) appellierte erneut an den Arbeitgeber, sich endlich mit der Gewerkschaft an den Verhandlungstisch zu setzen.

Die Beschäftigten im Zahnradwerk Pritzwalk sind zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen bereit, wenn der Arbeitgeber weiterhin Tarifverhandlungen mit der IG Metall verweigert.

Solidarität und Geschlossenheit sind die großen Stärken der Belegschaft im Zahnradwerk Protzwalk.

Volkmar Pohl (rechts), Betriebsratsvorsitzender bei Alstom in Hennigsdorf, sicherte den Zahnradwerkerinnen und Zahnradwerkern Unterstützung zu.

Eindeutiges Signal an die Geschäftsführung: Ohne Tarif, ohne uns!

In den Werkhallen war zwischen 12 und 16 Uhr so gut wie niemand.

Michael Siemens (links), Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission, Anne Borchelt (Mitte), IG Metall-Verhandlungsführerin und Volkmar Pohl (rechts), Betriebsratsvorsitzender bei Alstom in Hennigsdorf.

Stephan Vetter, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen und zuständig für Tarifpolitik, stellte klar, dass Tarifverhandlungen laut Gesetz Sache der Tarifpartner sind: Arbeitgeber und Gewerkschaft.

Dabei war IG Metall Oranienburg-Potsdam der Geschäftsführung in der vergangenen Woche ein weiteres Mal entgegengekommen und hatte weitere Arbeitskampfmaßnahmen im Zahnradwerk in Pritzwalk vorerst ausgesetzt. Der Grund: Der Arbeitgeber hatte die Gewerkschaft am 1. November um eine Woche Zeit gebeten, um in einer „formellen Gesellschafterversammlung“ über seine Positionierung im Tarifkonflikt im Zahnradwerk Pritzwalk beraten zu können. Der Arbeitgeber hatte versprochen, sich bei der IG Metall bis zum 8. November zurückzumelden, um ihr das Ergebnis der Gesellschafterversammlung mitzuteilen. Das hat er jedoch nicht getan.

Stattdessen hat der Arbeitgeber seine Gesprächsverweigerungshaltung mit einem betrieblichen Aushang am Folgetag, 9. November, manifestiert und den Beschäftigten einen Euro Entgelterhöhung angeboten – ohne jegliche tarifvertragliche Grundlage. „Ein solches Verhalten ist unfassbar. Die Kolleginnen und Kollegen so zu verhöhnen, ist höchst respektlos“, sagte IG Metall-Verhandlungsführerin Anne Borchelt. „Mit solch unanständigen Angeboten lassen sich die Kolleginnen und Kollegen nicht ködern. Sie sind solidarisch und lassen sich nicht spalten.“ Anne Borchelt forderte den Arbeitgeber erneut eindringlich auf: „Setzen sie sich endlich mit uns an den Verhandlungstisch.“

Das fordert auch Micheal Siemens, Mitglied der Tarifkommission. „Die Geschäftsführung sagt, sie wolle ein Signal der Belegschaft. Man muss taub und blind sein, um nicht zu verstehen, was die Belegschaft will: Diese zeigt ja mit ihrem inzwischen vierten Warnstreik unmissverständlich, was sie will: endlich einen Tarifvertrag“, so Siemens. „Das Signal der Belegschaft ist klar und eindeutig: Ohne Tarif, ohne uns. Die Kolleginnen und Kollegen fordern geschlossen, dass die Geschäftsführung mit der IG Metall über einen Tarifvertrag verhandeln soll. Tarifverhandlungen sind Sache zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft. Das schreibt das Gesetz vor.“

Die Zahnradwerkerinnen und Zahnradwerker in Pritzwalk erfahren inzwischen große Unterstützung und Solidarität von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Unternehmen: Metallerinnen und Metallern vom Kabelwerk aus Meißen und vom Brandenburger Elektrostahlwerk aus Brandenburg an der Havel ließen solidarische Grüße ausrichten. Volkmar Pohl, Betriebsratsvorsitzender bei Alstom in Hennigsdorf, war sogar persönlich angereist, um die solidarischen Grüße seiner Kolleginnen und Kollegen zu überbringen. „Wenn der Arbeitgeber hier nicht bald einlenkt, werden wir mit einer größeren Mannschaft hier anrücken und den Laden rocken“, sagte Pohl. „Diejenigen, die hier die Werte schaffen, seid ihr. Dafür stehen euch eine faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen zu.“ Darüber müssten die Tarifpartner verhandeln, so Pohl. „Und das sind Gewerkschaft und Arbeitgeber! Das ist auch dem Arbeitgeber hier klar. Darum haltet durch, wir unterstützen euch gerne.“

„Das Angebot einer Prämie ist ein Lockvogelangebot des Arbeitgebers, um zu versuchen, die Kollegen von ihrem Grundrecht auf Arbeitskampf abzuhalten“, sagt Betriebsrat Enrico Bismark. „Wir als Betriebsrat möchten nicht verkohlt werden und wollen mit der IG Metall vertrauensvoll Hand in Hand arbeiten, um zum bestmöglichen Ergebnis zu kommen.“

Auch Stephan Vetter, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen und zuständig für Tarifpolitik, betonte, dass es ausschließlich Sache der Tarifpartner sei, Löhne auszuhandeln. Das stehe so im Gesetz. „Das Verhalten des Arbeitgebers ist so was von unter der Kante. Zu sagen, dass der Betriebsrat verhindert, dass ihr mehr Geld bekommt, ist widerwärtig. Darum ist es wichtig und richtig, dass ihr ihm die rote Karte zeigt“, sagte Stephan Vetter. „Der Arbeitgeber ist nur in der Lage, mit einer Streikbruchprämie an die niedrigen Instinkte zu appellieren. Damit darf er nicht durchkommen.“

Verhandlungsführerin Anne Borchelt ist stolz auf die Geschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen im Zahnradwerk Pritzwalk. „Auf Dauer wird der Arbeitgeber sich den berechtigten Interessen der Belegschaft nicht verweigern können“, sagte Borchelt. „Die Kolleginnen und Kollegen im Zahnradwerk stehen geschlossen hinter ihrer IG Metall und haben einen langen Atem.“

Die IG Metall hatte der Geschäftsführung beim bisher letzten Gespräch am 11. Oktober 2021 ein konkretes Angebot vorgelegt. Dieses hatte sich die Geschäftsführung aber noch nicht einmal richtig angeschaut. „Besonnene Kompromisse sind die Grundlage unseres Angebots. Unser Vorschlag ist ein Haustarifvertrag, der die betriebliche Realität berücksichtigt und den Arbeitgeber nicht überfordert“, betont Anne Borchelt. „Wir bewegen uns mit unseren Forderungen deutlich unter dem, was in der Metall- und Elektroindustrie in Brandenburg Maßstab ist. Unser Vorschlag bietet sowohl für die Beschäftigten als auch für den Arbeitgeber eine langfristige Planungssicherheit.“

 

Berichterstattung

10.11.2021, Märkische Allgemeine

10.11.2021, Pritzwalker Stadtzeitung