Warnstreik bei BSH

Beschäftigte machen Druck – Warnstreik bei BSH in Nauen setzt starkes Zeichen

21.03.2026 | Warnstreik statt Samstagsarbeit im Nauener Bosch-Siemens-Hausgeräte-Werk (BSH): Mit einem starken Arbeitskampf haben Hunderte Beschäftigte am 21. März ihrem Unmut und ihren Sorgen Luft gemacht. Die IG Metall Potsdam-Oranienburg hatte für die gesamte Samstagsfrühschicht zum Warnstreik aufgerufen, um den Druck auf die BSH-Geschäftsführung im Kampf gegen die geplante Schließung des Weiße-Ware-Herstellers zu erhöhen.

Klare Ansage: Kampflos geben Beschäftigte und IG Metall den BSH-Standort nicht auf! Alle Fotos: Jasper Kortmann

Warnstreik statt Samstagarbeit in der Produktion: Viele Beschäftigte kamen mit Familie zum Warnstreik.

Anne Borchelt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, informierte über den aktuellen Stand.

Betriebsratsvorsitzende Jeanette Luschnat appellierte an die Kolleginnen und Kollegen, im Kampf um Standort und sozialverträgliche Lösungen nicht nachzulassen.

Dr. Michael Wiebersinsky, Bürgermeister der Stadt Nauen, sicherte den Beschäftigten seine Unterstützung zu.

Jörg Schönberg, Gemeindevreter aus Schönwalde-Glien, setzt sich dafür ein, dass BSH zum Thema im Bundestag wird.

Der Nauener Nachtwächter ließ es sich nicht nehmen, den Warnstreik der BSH-Kolleginnen und -kollegen zu unterstützen und seine Solidarität zu überbringen.

Auch für das leibliche Wohl der Warnstreikenden hatte die IG Metall gesorgt.

Laut und stark demonstrierten die Kolleginnen und Kollegen ihre Geschlossenheit.

Samstagvormittag in Nauen: Der Parkplatz vor dem BSH-Werk im Siemensring ist voll. Aber an diesem Samstag nicht deshalb, weil die Kolleginnen und Kollegen pflichtschuldig zu einer der vom Arbeitgeber ausgerufenen Samstagsschichten an die Bänder eilen, sondern um eben diesem Arbeitgeber die rote Karte zu zeigen. „Wir gehen in die Schlacht, wenn ihr mit uns Faxen macht!“ ist auf einem der mitgebrachten Protestschilder zu lesen.

Die Beschäftigten wehren sich gemeinsam mit der IG Metall gegen die Schließungspläne, die der Konzern für ihren Standort im vergangenen Oktober verkündet hatte. Deshalb Warnstreik statt Waschmaschinenproduktion an diesem Samstag. Die Beschäftigten kommen nicht allein. Sie haben Kind und Kegel mitgebracht, um zu zeigen, welche Auswirkungen die Pläne haben werden. BSH ist einer der größten Arbeitgeber in der Stadt, rund 450 Menschen verdienen dort ihren Lebensunterhalt – und den ihrer Familien. Die Schließungspläne des Konzerns, der Margen über Menschen setzt, rauben ganzen Familien ihre Zukunft in der Region.

„Wir verlassen das Werk nicht kampflos“, sagt Bernadette Puschmann (43). Demonstrativ hat sie auf einem mitgebrachten Campingstuhl vor dem Werk Platz genommen, „damit der Arbeitgeber sieht, dass er so nicht mit uns umgehen kann.“ Auch die Abfindung, die der Arbeitgeber anbietet, ist für sie – wie für alle anderen, die sich vor dem Werk versammelt haben – inakzeptabel: „Wir lassen uns nicht mit Faktor 0,7 abspeisen“, sagt sie, „wir sind mehr wert!“ Das betont auch ihre Kollegin Sybille Zahn (61), die neben ihr ebenfalls auf einem Campingstuhl sitzt. „Ich selber habe nur noch 86 Tage zu arbeiten“, sagt sie, „ich bin hier, um für meine Kolleginnen und Kollegen zu kämpfen, die noch viele Jahre Berufstätigkeit vor sich haben und eine Perspektive brauchen.“ Solidarität ist ihr wichtig, deshalb ist sie auf der Zielgeraden in die Altersteilzeit noch in die IG Metall eingetreten. Denn „die IG Metall kämpft für uns und unsere Arbeitsplätze“.

„Bereit, den Arbeitskampf auszuweiten!“
Der Arbeitgeber dagegen verweigert sich komplett, mit der IG Metall über Zukunftskonzepte und einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Mitten in den Verhandlungen mit der IG Metall über einen Tarifvertrag für die BSH-Beschäftigten in Nauen hatte die Geschäftsführung im Herbst ihre Schließungspläne publik gemacht und danach keinerlei Gesprächsbereitschaft mit der Gewerkschaft mehr an den Tag gelegt. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, sagt Anne Borchelt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam. Aber ob der Arbeitgeber will oder nicht, daran ließ Anne Borchelt auch am Samstag keinen Zweifel, die IG Metall lässt nicht locker, um eine gute Lösung für die Kolleginnen und Kollegen zu erreichen.

Am 12. März wurde der Geschäftsführung ein Zukunftskonzept für den Standort übergeben, am 13. März die Aufforderung zu Tarifverhandlungen. „Der Arbeitgeber hat erklärt, dass er mit uns, dass er mit Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, keine Tarifverhandlungen führen wird“, so Anne Borchelt. „Wir sind bereit, den Arbeitskampf im Zweifel auszuweiten, um den Druck zu erhöhen.“ Die Warnstreikenden quittieren dies mit großer Zustimmung. Sie sind bereit den Druck zu erhöhen. „Noch können wir Druck ausüben, weil wir das einzige Werk im Konzern sind, das Unterbaugeräte und Maschinen für den amerikanischen Markt produziert“, erzählen einige, „das tut weh, wenn die geforderten Stückzahlen nicht erreicht werden.“  

„Deshalb ist unser Moment genau jetzt!“, appelliert auch Jeanette Luschnat, Betriebsratsvorsitzende im BSH-Werk, an ihre Kolleginnen und Kollegen, im Kampf nicht nachzulassen. „Wir müssen weiter zusammenstehen, alles geben und Seite an Seite kämpfen – für den Standort, für den wir ein tragfähiges Zukunftskonzept vorgelegt haben, und für sozialverträgliche Lösungen, sollte der Arbeitgeber auf seinen Schließungsplänen beharren.“

Große Solidarität mit den BSH-Beschäftigten
Die Solidarität mit den BSH-Beschäftigten in Stadt und Region ist groß. Das zeigt sich einmal mehr auch beim Warnstreik. Nauens Bürgermeister Dr. Michael Wiebersinsky (Wir für Nauen) sagte den Kolleginnen und Kollegen die volle Solidarität der Stadt zu. „BSH ist seit mehr als 30 Jahren wichtig für die Region und für Nauen. Wir brauchen eine gute Lösung für die Bürgerinnen und Bürger, die in die Zukunft weist“, sagte Wiebersinsky. „Hier geht es um Ihre Zukunft – und nicht um die Zukunft eines Konzerns. Und deshalb ist es gut, dass die IG Metall gemeinsam mit Ihnen alles daran setzt, Zukunft zu sichern und Perspektiven zu schaffen.“

Jörg Schönberg, Gemeindevertreter Schönwalde-Glien (Die Linke), berichtete den Kolleginnen und Kollegen, dass er 64 Bundestagsabgeordnete angeschrieben hat, damit „BSH auch im Bundestag zum Thema wird“. Einen ersten Termin dafür konnte er den Warnstreikenden bereits verkünden. Am 16. April tagt die AG Ostpolitik im Bundestag, und beschäftigt sich dabei auch mit den Sorgen und Nöten der BSH-Beschäftigten in Nauen und Bretten – das Werk in Baden-Württemberg soll ebenfalls geschlossen werden.

Auch der Nauener Nachtwächter ließ es sich nicht nehmen, seine Solidarität zu bekunden. Er erinnerte an die Geschichte des BSH-Standorts, der vielen Menschen in der Region nach der Wende Hoffnung und Zukunft gegeben hat. „Wir Nauener waren stolz auf dieses Werk, das vielen in der Stadt den Lebensunterhalt gesichert hat. Das alles soll jetzt Geschichte sein?“, fragte er. „Das darf nicht passieren!“

Die Beschäftigten sind kampfbereit. Das haben sie am Samstag vor dem Tor eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Noch geben sie die Hoffnung nicht auf. Die, so ist immer wieder zu hören, „stirbt bekanntlich zuletzt. Und so lange kämpfen wir – mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln!“

Von: kk

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