Betriebsratswahlen 2026

„Der Betriebsrat ist für alle da, nicht nur für die Lauten.“

04.03.2026 | Wenn die Beschäftigten am ZF-Standort in Brandenburg an der Havel am 17. und 18. März ihre neue Interessenvertretung wählen, wird bei dieser Personenwahl auch Sabrina Selle wieder auf der Kandidatenliste stehen. Die überzeugte Metallerin und IG Metall-Vertrauensfrau engagiert sich bereits seit 2018 Jahren im Betriebsrat. Die 30-Jährige hofft auf eine starke Wahlbeteiligung. Ihre Überzeugung lautet: Je mehr Beschäftigte sich an der Wahl beteiligen, umso größer sind die Chancen der IG Metall-Kandidatinnen und -Kandidaten, in das 15-köpfige Gremium einzuziehen. Und umso größer ist dann die Stärke des Betriebsrats.

Die 30-jährige Betriebsratskandidatin Sabrina Selle ist auch Vertrauenskörperleiterin bei ZF in Brandenburg an der Havel. - Foto: Volker Wartmann

Warum kandidierst Du erneut als Betriebsrätin?

Uns bei ZF stehen schwierige Jahre bevor. In diesen herausfordernden Zeiten möchte ich gerne Sprachrohr für meine Kolleginnen und Kollegen sein, die ihre Stimme nicht so laut erheben können oder möchten. Ich habe oft erlebt, dass gerade die, die am meisten Hilfe brauchen, sich am seltensten melden. Die dürfen wir nicht vergessen. Darum setze ich mich für Gleichbehandlung ein und dafür, dass alle gleich fair behandelt werden. Es ist mir auch ein Anliegen, mich aktiv gegen Mobbing zu einzusetzen. Eine wichtige Aufgabe als Betriebsrätin sehe ich zudem darin, die Kommunikation und den Austausch mit der Belegschaft noch weiter zu intensivieren.

Welche Aufgaben sind die dringlichsten für euren Betriebsrat?

Für mich als Betriebsrätin sind alle Aufgaben wichtig, auch die kleinen. Ich versuche, für sämtliche Anliegen meiner Kolleginnen und Kollegen jederzeit ein offenes Ohr zu haben und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe aufzuzeigen. Mir ist kein Einzelschicksal egal. Die häufigste Frage in der vergangenen Zeit war aber: Wie geht es bei uns weiter? Wird es meinen Arbeitsplatz in Zukunft noch geben?

Wir haben schwere Zeiten hinter – und vor uns. An zahlreichen Standorten des ZF-Konzerns wurden und werden massiv Arbeitsplätze abgebaut. Bei uns am Standort Brandenburg an der Havel haben im vergangenen Jahr die IG Metall-Vertrauensleute gemeinsam mit der IG Metall-Geschäftsstelle Potsdam mit der Arbeitgeberseite über einen Zukunftstarifvertrag verhandelt. Dabei konnten wir nicht nur erreichen, dass die Einführung der 35-Stunden-Woche vorgezogen wird, sondern haben durch eine weitere Arbeitszeitverkürzung auf 34 Stunden in der Woche eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2028 vereinbaren können. Die Absenkung auf 34 Stunden in der Woche gilt bis Ende 2028. Ab 1. Januar 2027 wird halbjährlich überprüft, ob diese Stundenabsenkung weiterhin notwendig ist.

Wie geht es nach 2028 weiter?

Wie unsere Zukunft nach 2028 aussehen wird und wohin die Reise dann geht, ist noch völlig unklar. Aber eines ist sicher: Als Getriebehersteller für die Automobilindustrie werden wir langfristig keine Zukunft haben, jedenfalls nicht mit der Mitarbeiterzahl, wie wir sie heute haben. Wir werden uns verändern müssen. Für eine erfolgreiche Zukunft müssen wir neue Wege gehen, neue Kunden gewinnen und neue Produkte entwickeln, die marktfähig sind. Dabei wollen und müssen wir als Betriebsrat aktiv mitwirken. Erste Schritte in diese Richtung unternehmen wir bereits. Wir haben in den vergangenen Jahren eine Zukunftsfabrik initiiert, in der Beschäftigte und Geschäftsleitung versuchen, gemeinsam Ideen für eine erfolgreiche Zukunftsausrichtung zu entwickeln.

Die Fort- und Weiterbildung der Beschäftigten wird dabei eine große Rolle spielen. Als Betriebsrat werden wir uns mit allen Kräften dafür einsetzen, dass das rechtzeitig und in gebotenem Umfang passiert. Nur mit gut qualifizierten Facharbeitskräften haben wir als Standort eine Zukunftsperspektive.

Kostet Betriebsratsarbeit in diesen schwierigen Zeiten viel Freizeit?

Für engagierte Betriebsratsarbeit geht definitiv Freizeit drauf. Aber das ist für mich in Ordnung, ich mache das aus voller Überzeugung und aus ganzem Herzen. Nach der Einigung mit der Arbeitgeberseite auf den neuen Zukunftstarifvertrag bin ich von vier Uhr morgens bis zwei Uhr in der Früh am nächsten Tag durch alle Hallen gelaufen, um die Beschäftigten in allen Schichten schnellstmöglich über das Verhandlungsergebnis zu informieren. Dafür habe ich eine unbezahlte Freistellung genommen. Meine Chefin und meine Kolleginnen und Kollegen haben viel Verständnis für mein Engagement im Betriebsrat und halten mir dafür – wann immer möglich – den Rücken frei. Dafür bin ich sehr dankbar.

In diesen schwierigen Zeiten sind aktive Betriebsrätinnen und Betriebsräte wichtiger denn je, um die Interessen der Beschäftigten gegenüber der Arbeitgeberseite und dem Konzern zu vertreten. Ich bin sehr mit dem Unternehmen verwurzelt. Der Erhalt des Industriestandorts Brandenburg an der Havel ist für die ganze Region elementar wichtig.

 

Sabrina Selle arbeitet als Prüferin im Werkstoffchemielabor bei ZF in Brandenburg. Sie ist ihr gesamtes Arbeitsleben in dem Unternehmen tätig. 2013 hat sie hier ihre Ausbildung als Industriemechanikerin begonnen. Die überzeugte Metallerin engagiert sich als IG Metall-Vertrauenskörperleiterin im Betrieb, ist gewähltes Mitglied der Delegiertenversammlung der IG Metall Potsdam, Tarifkommissionsmitglied und Mitglied im Vertrauensleuteausschuss des IG Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen.

 

Von: vw

Unsere Social Media Kanäle