Betriebsratswahlen 2026

„Der Betriebsrat sorgt für Vereinbarkeit von Beruf und Familie“

04.02.2026 | Martin Bahn engagiert sich bereits seit 2010 im Betriebsrat der Brandenburger Elektrostahlwerke (B.E.S.) in Brandenburg an der Havel. Bei B.E.S. finden die Betriebsratswahlen 2026 in der ersten Märzwoche statt. Martin Bahn stellt sich „selbstverständlich“ wieder zur Wahl. Der 46-Jährige hofft, dass möglichst viele seiner rund 700 Kolleginnen und Kollegen von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen. Denn eine gute Unterstützung durch die Belegschaft stärkt die Durchsetzungskraft des Betriebsrats gegenüber der Arbeitgeberseite, ist Martin Bahn überzeugt.

Metaller Martin Bahn, Betriebsratsvorsitzender bei BES in Brandenburg an der Havel, warnt vor den Gefahren einer Deindustrialisierung Deutschlands. - Foto: Volker Wartmann

Warum kandidierst Du für den Betriebsrat?
Ich will aktiv dabei mitwirken, die Arbeitsbedingungen bei uns im Betrieb zu verbessern. Ein engagierter Betriebsrat ist unerlässlich, um die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüber der Arbeitgeberseite wirkungsvoll vertreten zu können. Als Betriebsrat hat man die Möglichkeit, die Arbeitswelt und die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen an vielen Punkten positiv zu beeinflussen, beispielsweise bei der Lage der Arbeitszeit, bei den Pausenzeiten, Überstunden, Weiterbildungsmöglichkeiten und vielem mehr.

Welches sind die wichtigsten Aufgaben für den Betriebsrat in Eurem Betrieb?
Mir liegt besonders am Herzen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewahrt ist. Darum versuchen wir möglichst viel Einfluss auf die Arbeitszeitregelungen und die Schichtplangestaltung zu nehmen. Wir setzen uns beispielsweise dafür ein, dass die Schichtabfolge nach arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen organisiert wird. Bei der harten Schichtarbeit im Stahlwerk ist es unerlässlich, dass die Kollegen ausreichend lange Ruhe- und Pausenzeiten bekommen.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Betriebsratsarbeit liegt auf dem Arbeitsschutz. Die Arbeit in einem Stahlwerk ist ja nicht ungefährlich. Darum hat ein guter Arbeits- und Gesundheitsschutz für uns als Betriebsrat höchste Priorität. Effektiver Arbeitsschutz kann nur durch engagierte und aufmerksame Betriebsräte gewährleistet werden, die in engem Kontakt mit der Belegschaft stehen. Um zum Beispiel die für den Arbeitsschutz notwendigen Begehungen im Betrieb durchzuführen, braucht es ausreichend Manpower. Darum freuen wir uns über jeden, der aktiv im Betriebsrat mitmachen möchte. Und selbstverständlich achten wir als Betriebsrat stets darauf, dass tarifvertragliche Regelungen und Betriebsvereinbarungen eingehalten werden. Das ist sozusagen unser tägliches Brot.

Wie unterstützt Euch die IG Metall bei Eurer Betriebsratsarbeit?
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IG Metall-Geschäftsstelle Oranienburg-Potsdam stehen uns Betriebsräten mit Rat und Tat zur Seite und sind für uns jederzeit ansprechbar. Da die rechtlichen Möglichkeiten eines Betriebsrats begrenzt sind, ist es wichtig, eine starke Gewerkschaft im Rücken zu haben.

Förderlich für die enge Zusammenarbeit mit der IG Metall ist, dass fast alle Betriebsratsmitglieder bei uns auch Mitglied in der Gewerkschaft sind. Auch der größte Teil unserer Kolleginnen und Kollegen ist Mitglied in der IG Metall. Gemeinsam mit der IG Metall kämpfen wir für den Erhalt unserer Stahlarbeitsplätze und unseres guten Tarifvertrags in diesen schwierigen Zeiten. Als überzeugter Gewerkschafter wünsche ich mir jedoch, dass die IG Metall in Zukunft wieder etwas mutiger auftritt und sich auch wieder mehr auf die Basisarbeit fokussiert. Entscheidend muss immer sein, was die Mitglieder wollen.

Welches sind die größten Herausforderungen in der nächsten Periode?
Angesichts der schwierigen Lage in der deutschen Stahlindustrie sind starke Betriebsräte in dieser Branche unverzichtbarer denn je. Ich warne schon länger vor den Gefahren einer Deindustrialisierung in Deutschland. Nur mit starken Betriebsräten, die sich gemeinsam mit den Gewerkschaften aktiv und vehement dafür einsetzen, dass die Industriearbeitsplätze hierzulande erhalten bleiben, besteht die Chance, dass der Wohlstand bei uns auf lange Sicht gesichert werden kann.

Martin Bahn arbeitet bereits sein gesamtes Arbeitsleben im Brandenburger Elektrostahlwerk (B.E.S.). 1996 begann er hier seine Ausbildung zum Industriemechaniker. Im Betriebsrat engagiert sich der überzeugte Metaller seit 2010. Seit 2018 ist er komplett für die Betriebsratsarbeit freigestellt, seit 2023 ist er Vorsitzender des Gremiums. Der 46-Jährige ist gewähltes Mitglied in der Delegiertenversammlung der IG Metall Oranienburg-Potsdam und arbeitet zudem im Ortsvorstand der IG Metall Oranienburg-Potsdam mit. Die Wahl des 13-köpfigen Betriebsratsgremiums und ebenso vieler potentieller Nachrücker bei B.E.S. findet in der ersten Märzwoche 2026 statt.

Das Interview führte Volker Wartmann. 

Von: nf

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