IG Metall Oranienburg und Potsdam
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06.05.2021, 03:05 Uhr

Dritter 24-Stunden-Warnstreik bei ZF Getriebe in Brandenburg

„Die Geduld der Kolleginnen und Kollegen mit der Blockadehaltung der Arbeitgeber ist am Ende.“

  • 03.05.2021
  • Aktuelles

Die Beschäftigten bei ZF Getriebe in Brandenburg an der Havel zeigen den Arbeitgebern weiter Zähne. Nach der fünften, ergebnislosen Tarifverhandlung mit dem Arbeitgeberverband Berlin-Brandenburg in der vergangenen Woche legten sie am Montag, 3. Mai, ab 4.00 Uhr den Betrieb zum dritten Mal innerhalb von anderthalb Wochen für 24 Stunden lahm. Mit ihrem dritten ganztägigen Warnstreik demonstrierten sie zum wiederholten Mal sehr eindrucksvoll, dass sie geschlossen hinter der Kernforderung der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen stehen: Angleichung Ost jetzt!

Ziel Angleichung Ost: Die Kolleginnen und Kollegen bei ZF demonstrieren mit ihrem dritten 24-Sunden-Warnstreik, dass sie geschlossen hinter der Kernforderung der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen stehen. - Fotos: Volker Wartmann

Daumen hoch für die Hartnäckigkeit und Ausdauer der Kolleginnen und Kollegen bei ZF: Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall (rechts), Stefanie Jahn (Mitte), Erste Bevollmächtige der IG Metall Oranienburg-Potsdam und Robert Pastor, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei ZF in Brandenburg. Foto: IG Metall

Norbert Müller von der Partei Die Linke, Mitglied des Bundestages, unterstützt die Forderung nach Angleichung vorbehaltlos.

Sabrina Selle, IG Metall-Vertrauensfrau und Betriebrätin bei ZF, vor der Wand des Streikzeltes mit Solidaritätsbekundungen von zahlreichen Betriebsräten aus ganz Deutschland.

Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, hat null Verständnis für die anhaltende Verweigerungshaltung der Arbeitgeber: „Die Trauben hängen so tief, aber der Arbeitgeberverband ist nicht in der Lage, zuzugreifen.“

Unterstützen sich gegenseitig solidarisch: Sandro Hoffmann (links), Betriebsratsvorsitzender bei ZF in Brandenburg, und Thomas Rackwitz (rechts), stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Mercedes Benz in Ludwigsfelde

Sozialdemokratin Britta Kornmesser, Mitglied des Brandenburger Landtages, fordert von den Unternehmen, ihre Belegschaft am Erfolg teilhaben zu lassen.

Unmissverständliche Botschaft vor dem Werktor ...

Mehrere Betriebsräte von anderen Unternehmen, Mitglieder des Ortsvorstandes der IG Metall-Geschäftsstelle Potsdam sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Bundes- und Landespolitik überbrachten der ZF-Belegschaft an diesem Tag ihre solidarischen Grüße persönlich. Bereits kurz nach Sonnenaufgang war Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, vorbeigekommen, um den Kolleginnen und Kollegen für ihre Ausdauer zu danken. „Es ist wunderbar, dass Ihr heute zum dritten Mal draußen seid und einen ganztägigen Warnstreik macht, um so den Druck nochmals zu erhöhen. Denn diesen Druck brauchen wir auch“, sagte Schulz. „Was Ihr hier im ganzen Bezirk Berlin, Brandenburg und Sachsen mit euren zahlreichen, ganztägigen Warnstreiks unter diesen Bedingungen der Pandemie gemacht habt, das ist stark, das ist beeindruckend, das ist sensationell. Dafür nochmal herzlichen Dank, von mir persönlich und dem ganzen Vorstand.“

Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, kann die destruktive Blockadehaltung der Arbeitgeber nicht im Ansatz verstehen. „Unser Lösungsvorschlag ist konstruktiv und absolut vertretbar. Die Trauben hängen so tief, aber der Arbeitgeberverband ist nicht in der Lage, zuzugreifen“, sagte Jahn. „Wenn die Betonköpfe der Arbeitgeberseite sich nicht endlich bewegen, werden wir weiter Druck machen.“

Thomas Rackwitz, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Mercedes Benz in Ludwigsfelde, überbrachte den ZFlern solidarische Grüße. „Gegenseitige Unterstützung ist wichtig. Nur zusammen sind wir stark“, sagte Rackwitz. „Es geht jetzt darum, noch eine Schippe draufzulegen. Die Arbeitgeber müssen sich endlich bewegen, ansonsten bewegen wir uns weiter. Die Kolleginnen und Kollegen haben die Erwartungshaltung, dass das Thema Angleichung in dieser Tarifrunde gelöst wird. Wir sind bereit, mit den Arbeitgebern Kompromisse zu finden, aber „Geht nicht“ wird es mit uns nicht geben.“ Von der Belegschaft bei Mercedes Benz in Ludwigfelde berichtete er, dass dort rund 90 Prozent der Nicht-IG Metall-Mitglieder, die mit abgestimmt hätten, für die 24-Stunden-Warnstreiks im Mercedes-Werk in Ludwigsfelde votiert haben. Rackwitz: „Bei den IG Metall-Mitgliedern war der Prozentsatz noch höher.“

Norbert Müller von der Partei Die Linke, Mitglied des Bundestags, sagte: „Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass man sich mehr als 30 Jahre nach der Wende noch immer über Ungleichbehandlung in Ost und West auseinandersetzen muss.“ Es könne nicht sein, dass „ihr mehr als 30 Jahre nach der Wende für gleiche Geld ganze Lebensjahre länger unbezahlt arbeiten müsst als eure Kolleginnen und Kollegen im Westen“, sagte Müller zu den ZFlern. „Aber von den Arbeitgebern gibt es nichts geschenkt. Am Ende muss man die Angleichung erkämpfen“, so Müller. „Und wenn jemand durchsetzen kann, dass es jetzt endlich eine Angleichung gibt, dann seid ihr das.“

„Ostdeutsche Betriebe dürfen in der heutigen Zeit nicht mehr als Billigstandort angesehen werden und niedrigere Löhne und das Argument längere Arbeitszeiten dürfen nicht länger als Standortvorteil missbraucht werden“, sagte Sozialdemokratin Britta Kornmesser, Mitglied des Brandenburger Landtages. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier genauso gut ausgebildet und leisten gute Arbeit wie ihre Kolleginnen und Kollegen im Westen. Auch wir haben hier in Ostdeutschland inzwischen eine hochleistungsfähige und moderne Industrie aufgebaut.“ Daher gelte es jetzt 30 Jahre nach der Wende endlich auch die Löhne und Arbeitsbedingungen anzugleichen, so Kornmesser. „Gleiche Lohn für gleiche Arbeit. Das hat mit Respekt und Anerkennung der hier tätigen Menschen, mit Gerechtigkeit und sozialem Frieden zu tun.“ An die Arbeitgeber appellierte sie: „Es ist wichtig, dass die Arbeitgeber soziale und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Erfolg teilhaben lassen.“

„Die Geduld der Kolleginnen und Kollegen mit der Blockadehaltung der Arbeitgeber ist am Ende“, sagte Christoph Welbers, IG Metall-Vertrauensmann und Betriebsrat bei ZF. Er berichtete von Kolleginnen und Kollegen, „die mich in den vergangenen Tagen immer wieder angesprochen haben, wann Urabstimmung ist, damit wir unbefristet streiken können“. Welbers stellte klar: „Wir fordern endlich die gleiche Behandlung wie die Kolleginnen und Kollegen im Tarifgebiet 1, ehemals West-Berlin.“

Sven Hutengs, Mitglied des Ortsvorstandes der IG Metall-Geschäftsstelle Potsdam und Betriebsratsvorsitzender bei Heidelberger Druckmaschinen in Brandenburg, sagte: „Wenn die Arbeitgeber weiter stur bleiben, würde ich mir von IG Metall-Vorstand wünschen, Betriebe mit Anerkennungstarifvertrag mit in die 24-Stunden-Warnstreiks einzubeziehen. Ich habe verstärkt Anfragen aus der Belegschaft, warum nicht auch wir bei den 24-Stunden-Warnstreiks mitmachen.“

Forderungen der IG Metall

Die IG Metall fordert ein Volumen von 4 Prozent für Entgelterhöhungen oder zur Beschäftigungssicherung. Außerdem geht es um Zukunftstarifverträge, um die Transformation zu gestalten, und tariflich verbesserte Übernahmeregeln für Ausgebildete. Dazu fordert die IG Metall im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen für die rund 290.000 Beschäftigten (110.000 in Berlin-Brandenburg und 180.000 in Sachsen) ein Tarifliches Angleichungsgeld, damit 30 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich Schluss ist mit der Ungleichbehandlung der Beschäftigten in Ost und West.

„Die IG Metall hat die Forderung nach dem Tariflichen Angleichungsgeld im Rahmen ihrer Gesamtstrategie bewusst nur in Berlin-Brandenburg und Sachsen aufgestellt. Daher sind die jetzt erfolgenden Pilotübernahmen in anderen Tarifgebieten keine Referenz“, so Birgit Dietze, Verhandlungsführerin und Bezirksleiterin der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen.