24.01.2025 | Nach sechs ergebnislosen Verhandlungsrunden über einen neuen Tarifvertrag lassen sich die Beschäftigten im Zahnradwerk Pritzwalk (ZWP) nicht länger tatenlos hinhalten. Am Freitag, 24. Januar 2025, legten die Beschäftigten der Frühschicht für zwei Stunden die Arbeit nieder, um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen. Zwischen 6.00 und 8.00 Uhr stand die Produktion in den Werkhallen still, weil sich nahezu sämtliche Kolleginnen und Kollegen zum Protest vor dem Werktor versammelt hatten.
IG Metall-Verhandlungsführerin Anne Borchelt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, informierte streikenden Kolleginnen und Kollegen über den Stand der Verhandlungen mit der ZWP-Geschäftsführung. „Wir sind in den bisherigen Verhandlungen noch kein Stück vorangekommen“, sagte Anne Borchelt. „Das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite verdient den Namen nicht, es ist eine Frechheit.“ Die Arbeitgeberseite bietet bisher nur eine Lohnerhöhung von zwei Prozent an und will anstatt über eine faire Entgelterhöhung über ein Prämiensystem verhandeln, dass unter anderem an Ausschussquote, Gewinn und Anwesenheitszeiten gekoppelt sein soll.
„Das Angebot von zwei Prozent mehr Geld ist scheinheilig angesichts der Tatsache, wie weit ihr vom Lohnniveau der Fläche entfernt seid“, so Borchelt. Sie stellte unmissverständlich klar, dass die IG Metall über ein Prämiensystem, wie es die Geschäftsführung vorgeschlagen hat, nicht verhandeln werde. Borchelt: „Das ist Augenwischerei. Wir sollen die Katze im Sack kaufen, ohne zu wissen, was die Inhalte sind. Das werden wir auf keinen Fall machen.“
Die Geschäftsführung stelle permanent in Frage, „ob ihr gut arbeitet“, sagte Borchelt. „Das ist das Gegenteil von Wertschätzung.“ Abschließend schickte sie eine unmissverständliche Botschaft in Richtung Geschäftsführung: „Wir werden hier nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag warten. Die Geschäftsführung wird den Konflikt nicht aussitzen können.“
Michael Siemens, Mitglied der Verhandlungskommission und Betriebsratsvorsitzender, beschreibt die Stimmung unter der Belegschaft als „aufgeheizt, weil nach sechs Verhandlungsrunden bisher nichts herausgekommen ist.“ „Wir hatten gehofft, dass wir uns diesmal mit der Geschäftsführung konstruktiv am Verhandlungstisch einigen können und es nicht wieder so weit kommt, dass wir vors Werktor müssen“, sagte Siemens.
Auch er bekräftigte die Ablehnung einer Entlohnung über ein Prämiensystem, das sich an „Gewinn, Lieferperformance und Ausschussquoten“ orientieren soll. „Diese Werte sind für uns als Beschäftigte gar nicht mess- und nachvollziehbar“, erläuterte Siemens. Außerdem hätte die Belegschaft auch kein Vertrauen in die Transparenz und Richtigkeit solcher Zahlen von der Geschäftsführung, so Siemens. „Die Geschäftsführung ist offensichtlich auf Eskalation aus“, sagte Siemens und stellte klar: „Die Belegschaft ist kampfbereit.“
Vor zwei Jahren hatten die Beschäftigten im Zahnradwerk Pritzwalk nach mehr als 30 Jahren Tarifbindung erkämpft. Damals war die Geschäftsführung erst nach sechs bis zu 24-stündigen Warnstreiks und einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik dazu bereit, die IG Metall als Verhandlungspartner anzuerkennen. Im Sommer 2023 unterschrieben IG Metall und Geschäftsführung nach zähen Verhandlungen erstmals nach mehr als drei Jahrzehnten einen Tarifvertrag.