IG Metall Oranienburg und Potsdam
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30.11.2021, 03:11 Uhr

IG Metall-Aktionstag in Berlin am 29. Oktober 2021

„Die Lösung unserer Umweltprobleme wird maßgeblich durch die Beteiligung unserer inländischen Bahnindustrie erfolgen.“

  • 04.11.2021
  • Aktuelles

Mehr als tausend Metallerinnen und Metaller aus Betrieben im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen setzten mit einem Aktionstag am 29. Oktober im Berliner Regierungsviertel ein eindrucksvolles Zeichen in Richtung Politik und Arbeitgeber. Mit dabei waren selbstverständlich auch Delegationen von Betrieben aus dem Einzugsbereich der IG Metall-Geschäftsstelle Oranienburg-Potsdam.

Die Kolleginnen und Kollegen von Alstom in Hennigsdorf zeigten bei der Fairwandel-Demo in Berlin eindrucksvoll Präsenz.

René Straube, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Alstom Deutschland, forderte von der Politik die Unterstützung der deutschen Bahnindustrie.

Auch vom Hennigsdorfer Elektrostahlwerk (H.E.S.) waren viele Beschäftigte beim Aktionstag dabei.

Die Besatzung von Alstom aus Hennigsdorf auf dem "Zugkunftsboot" sorgte für mächtig Stimmung.

Unübersehbar: die IG Metall-Vertrauensleute von Alstom aus Hennigsdorf.

René Straube, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Alstom Deutschland, informierte die Kolleginnen und Kollegen über die aktuelle Situation der deutschen Bahnindustrie.

Die Kolleginnen und Kollegen von H.E.S. waren unübersehbar.

Daumen hoch für die Forderungen der IG Metall: Anne Borchelt (rechts), Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall-Geschäftsstelle Oranienburg-Potsdam und René Straube (links), Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Alstom Deutschland.

Vor allem Beschäftigte von Alstom und von H.E.S aus Hennigsdorf zeigten deutliche Präsenz. Auch Kolleginnen und Kollegen von ZF aus Brandenburg an der Havel und von Mahle aus Wustermark waren vor Ort.

Die Teilnehmenden hatten rote IG Metall-Fahnen, Transparente und Banner mitgebracht, um ab 8.00 Uhr in der Früh zwischen Reichstagsgebäude und Paul-Löbe-Haus direkt an der Spree für einen fairen Wandel zu demonstrieren und ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die klare Botschaft der Demonstrierenden an die Politikerinnen und Politiker, die derzeit über die Zukunft entscheiden, lautete: „Wir wollen den notwendigen Wandel zu einer klimafreundlichen Industrie mitgestalten. Sozial. Ökologisch. Demokratisch.“ Die Teilnehmenden eint die Sorge um ihre Zukunft. Hunderttausende von Arbeitsplätzen stehen in der Transformation auf dem Spiel.

Die Kolleginnen und Kollegen konnten ihre Forderungen direkt an die politisch Verantwortlichen richten: Mit Norbert Walter-Borjans, Parteivorsitzender der SPD, Hubertus Heil, kommissarischer Bundesminister für Arbeit und Soziales, und Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer Bündnis 90/Die Grünen, waren gleich drei Politiker der Einladung zum industriepolitischen Frühstück und Gespräch auf der Kundgebungsbühne gefolgt, die bei den Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP mit am Tisch sitzen.

„Wir mischen uns ein für tragfähige Perspektiven, für eine klimagerechte Industrie, für zukunftsfähige, gute und sichere Arbeitsplätze – und zwar hier in Deutschland –, für die Qualifizierung der Beschäftigten, für eine qualitativ hochwertige Ausbildung der zukünftigen Fachkräfte und eine aktive Industriepolitik. Transformation gelingt nur mit den Menschen“, erklärte Birgit Dietze, Bezirksleiterin der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen, warum die IG Metall zum Aktionstag aufgerufen hatte.

„Wir stehen vor entscheidenden Jahren in unserer Industrie. Wir brauchen jetzt klare Planungssicherheit nach vorne und vor allem: Wir brauchen Sicherheit für die Beschäftigten“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall. „Dieser Weckruf an die Politik und an die Arbeitgeber ist bitter notwendig, denn es werden jetzt die Weichen gestellt für die Zukunft. Unser Ziel ist modernes, nachhaltiges Wirtschaften bei gleichzeitig starkem, sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Es geht uns um Aufbruch und Perspektiven für alle. Wir wollen Zukunft für den Industriestandort Deutschland. Dafür stehen wir hier.“   

René Straube, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Alstom, einem der führenden Schienenfahrzeughersteller in Deutschland, stellte die Forderungen der Beschäftigten in der deutschen Bahnindustrie vor. Zu Beginn seiner Rede erläuterte Straube die Fakten: Um bis 2045 die Netto-Null-CO2-Grenze zu erreichen, müssen die Passagierzahlen der Bahn bis 2030 um 70 Prozent zulegen, der Güterverkehr um 60 Prozent ausgebaut werden und die Zahlen im Nahverkehr um das Doppelt steigen, so Straube.

„Das heißt, es sind immense Investitionen in die Bahninfrastruktur erforderlich, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Bahnprojekte müssen bedeutend schneller realisiert werden“, sagte Straube. Der Auftragseingang in der deutschen Bahnbranche sei jedoch im ersten Halbjahr 2021 um sieben Prozent gesunken, so Straube.

Um die Bahnindustrie in Deutschland zu stützen und zu fördern, forderte er von der Politik, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass „Mindestanteile entlang der kompletten Wertschöpfungskette in Deutschland und Europa umgesetzt werden.“ Dazu müssten „klimagerechte Zuschlagskriterien und vorbildliche soziale Unternehmensethik als zwingende Vorqualifizierung zur Vergabe von Aufträgen sichergestellt werden.“ Die deutsche Bahnindustrie habe ein enormes Potential, „vor allem, wenn alle Beschäftigten mit ihren Kompetenzen bei der Transformation eingebunden und auch für die sich wandelnden Anforderungen qualifiziert werden“, betonte Straube.

Straube weiter: „Die Lösung unserer Umweltprobleme wird maßgeblich durch die Beteiligung unserer inländischen Bahnindustrie erfolgen. Dafür muss Personen- und Güterverkehr ganzheitlich neu gedacht werden. Die hierfür erforderlichen Lösungen sowohl in Bezug auf Forschung und Entwicklung als auch Technologie und Produktion müssen durch den Staat gezielt gefördert werden. Ein – womöglich gar außereuropäischer – Import dieser Lösungen darf nicht unter Nutzung staatlicher Subventionen erfolgen. Dies gilt sowohl im Bereich des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs als auch im Bereich des elektrischen Individualverkehrs der Zukunft. Die Vergabe öffentlicher, steuerfinanzierter Aufträge muss diesen Anforderungen genügen.“

Nicht nur zu Lande, auch auf dem Wasser – sprich der Spree direkt neben dem Reichstagsgebäude – zeigten die Kolleginnen und Kollegen von Alstom aus Hennigsdorf und anderen Altom-Standorten in Deutschland eindrucksvoll Präsenz. Auf einem mit riesigen Transparenten geschmückten Ausflugsdampfer sorgten zwei Dutzend Kolleginnen und Kollegen mit ordentlicher Lautstärke für kämpferische Stimmung. Als das „IG-Metall-Zugkunftsboot“ direkt neben der Fairwandel-Veranstaltung vorbeituckerte, waren der Jubel und die Begeisterung bei allen Teilnehmenden groß und auf der Bühne wurde es für einige Augenblicke ruhig.