Arbeitgeber verweigert Übernahme des Stahl-Flächentarifabschlusses

Dreistündiger Warnstreik im Brandenburger Elektrostahlwerk

23.01.2026 | Die Kolleginnen und Kollegen im Brandenburger Elektrostahlwerk (B.E.S.) in Brandenburg an der Havel haben am 23. Januar zwischen 5.00 und 8.00 Uhr in der Früh die Arbeit niederlegt und sich bei eisigen Minustemperaturen zum gemeinsamen Protest gegen ihren Arbeitgeber vor dem Werktor versammelt. Der Anlass: Die Geschäftsführung von B.E.S. hatte der IG Metall mitgeteilt, das im September 2025 erzielte Tarifergebnis für die ostdeutsche Stahlindustrie nicht zu übernehmen. Die Beschäftigten bei B.E.S. sind nicht bereit, diese Weigerung ihres Arbeitgebers widerstandslos hinzunehmen. Die Produktion stand während des dreistündigen Warnstreiks komplett still.

An dem dreistündigen Warnstreik bei B.E.S. am 23. Januar beteiligten sich insgesamt mehr als 150 Kolleginnen und Kollegen. - Fotos: Volker Wartmann

Bei eisigen Temperaturen um die -7 Grad waren die Stehplätze neben den Feuerkörben sehr beliebt.

Sophie Jänicke, Tarifsekretärin beim IG Metall-Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen, bezeichnete die Blockadehaltung des Arbeitgebers als unverschämt.

An der Werkszufahrt war für Zulieferer während des Warnstreiks kein Durchkommen möglich.

Die Warnstreikenden fordern die Übernahme des Flächentarifabschlusses in der Stahlindustrie auch bei B.E.S.

Stefanie Jahn (rechts/am Mikrofon), Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam, appellierte an den Arbeitgeber, schnellstmöglich einzulenken.

Warnstreik und gute Laune sind kein Widerspruch.

Metaller Martin Bahn, Betriebsratsvorsitzender bei B.E.S., bekräftigte, dass die Belegschaft fest zusammensteht.

Die Kolleginnen und Kollegen bei B.E.S. stehen geschlossen hinter der Forderung der IG Metall.

Die Beschäftigten bei B.E.S. haben keinen Flächen-, sondern einen Anerkennungstarifvertrag. In den vergangenen drei Jahrzehnten war es bei B.E.S. bisher üblich, dass der Arbeitgeber den für die Fläche ausgehandelten Tarifabschluss für die Stahlindustrie eins zu eins übernimmt.

Bereits im September 2025 haben IG Metall und die Arbeitgeberseite ein Verhandlungsergebnis für die ostdeutsche Stahlindustrie erzielt: Demnach steigen die Entgelte für die Beschäftigten ab dem 1. Januar 2026 um 1,75 Prozent. Die Ausbildungsvergütung wird überproportional um 75 Euro im Monat erhöht. Zum Paket gehört außerdem eine Verlängerung der Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, zu Werkverträgen und zur Altersteilzeit. Diese sichern unter anderem die Übernahme von Auszubildenden, die Absenkung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden mit einem teilweisen Entgeltausgleich sowie Regelungen zu Arbeitszeitkonten beziehungsweise Altersteilzeit. Der aktuelle Tarifvertrag in der ostdeutschen Stahlindustrie läuft bis zum 31. Dezember 2026.

„Das Verhalten der Geschäftsführung von B.E.S. ist unverschämt“, sagte Sophie Jänicke vom Tarifteam der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen und zuständig für die Tarifpolitik in der Eisen- und Stahlschaffenden Industrie. „Die Kolleginnen und Kollegen sind zu Recht sauer.“ Die Stahl-Arbeitgeber in Deutschland hätten sich trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Branche mit der IG Metall auf ein Ergebnis verständigt, das eine moderate Reallohnsicherung und Beschäftigungssicherung beinhalte, erläuterte Jänicke. Die Übernahme des erzielten Kompromisses in der Fläche müsse eine Selbstverständlichkeit sein.  „Die Kolleginnen und Kollegen hier bei B.E.S. leisten gute Arbeit“, so Jänicke. „Sie können nichts dafür, dass es der Stahlbranche hierzulande zurzeit nicht so gut geht.“ Die Verweigerungshaltung von B.E.S., das zum italienischen Riva-Konzern gehört, könne den Verdacht nahelegen, dass sich Riva durch Benachteiligung seiner Beschäftigten einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen wolle, so Jänicke weiter. Das sei unter keinen Umständen akzeptabel.

„Das in der Fläche erzielte Ergebnis war bereits ein schwieriger Kompromiss für die Kolleginnen und Kollegen und der schwierigen Situation der deutschen Stahlindustrie geschuldet“, sagte Metaller Martin Bahn, Betriebsratsvorsitzender bei B.E.S. „Darum fordern wir die bedingungslose Übernahme dieses Flächentarifergebnisses.“ Der Unmut der Beschäftigten bei B.E.S. über das Verhalten ihres Arbeitgebers sei sehr groß, unterstrich Bahn. Er kündigte an, dass die Belegschaft geschlossen zusammenstehen werde, um ihr berechtigtes Ziel zu erreichen. Ebenso wie Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam, schloss Metaller Martin Bahn weitere Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus, sollte die B.E.S.-Geschäftsführung bei den anstehenden Verhandlungsgesprächen ihre Blockadehaltung nicht aufgeben.

Der Warnstreik bei B.E.S. war übrigens der erste in dieser Stahltarifrunde. Die Arbeitgeberseite und die IG Metall hatten sich nach vier zähen Gesprächsrunden am Verhandlungstisch im Spätsommer 2025 kurz vor dem Ablauf der Friedenspflicht Ende September auf ein Ergebnis für die Fläche geeinigt.

 

Von: vw

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