Arbeitgeber blockiert weiterhin Übernahme des Stahl-Flächentarifabschlusses

Dritter Warnstreik im Brandenburger Elektrostahlwerk

13.03.2026 | Um den Druck auf die Arbeitgeberseite vor der mittlerweile vierten Verhandlung am kommenden Freitag (20. März) weiter zu erhöhen, haben die Kolleginnen und Kollegen im Brandenburger Elektrostahlwerk (BES) in Brandenburg an der Havel heute (13. März) zwischen 5.00 und 10.00 Uhr in der Früh zum wiederholten Mal die Arbeit niederlegt. Sie versammelten sich zum gemeinsamen Protest hinter der Werkschranke, um ihrer Forderung nach einer Übernahme des Ergebnisses des Flächentarifvertrags der Stahlindustrie unmissverständlich Nachdruck zu verleihen. Die Produktion stand während des fünfstündigen Warnstreiks komplett still.

Die Belegschaft bei BES fordert geschlossen eine Übernahme des Stahl-Flächentarifergebnisses. - Fotos: Volker Wartmann

Warnstreik und gute Laune sind kein Widerspruch.

IG Metall-Verhandlungsführerin Sophie Jänicke informierte die Warnstreikenden über die bereits dritte ergebnislose Verhandlung in der vergangenen Woche.

Die Kolleginnen und Kollegen hören aufmerksam zu.

Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam, gibt einem Journalisten von der örtlichen Presse ein Interview.

Die Warnstreikenden blockieren die Zufahrt zum Werk.

Die Metaller Mathias Kapp (2. von links) und Christian Öfelein (4. von links) von Betonstahl Lamperthein (Hessen), welches ebenfalls zum Riva-Konzern gehört, überbrachten ihren Kolleginnen und Kollegen in Brandenburg solidarische Grüße.

Der stellvertretende Vertrauenskörperleiter Thomas Albrecht forderte seine Kolleginnen und Kollegen dazu auf, standhaft zu bleiben.

Für ausreichend Verpflegung war während der fünfstündigen Arbeitsniederlegung bestens gesorgt.

Vertrauenskörperleiter Sven Hoffmann präsentiert ein T-Shirt, das es an diesem Tag für alle Warnstreikenden als Geschenk gab.

Während des Warnstreiks wurde nur ganz wenigen LKWs die Zufahrt zum Werk gestattet.

Die Beteiligung an dem dritten Warnstreik bei BES war erneut sehr gut.

Von nüscht kommt nüscht!

Die Geschäftsführung von BES verweigert auch nach der dritten Verhandlung mit der IG Metall Oranienburg-Potsdam am 4. März weiterhin, den im September 2025 erzielten Flächentarifabschluss zu übernehmen. Am 20. März findet die vierte Verhandlung zwischen der IG Metall und der Arbeitgeberseite statt.

IG Metall-Verhandlungsführerin Sophie Jänicke berichtete den Warnstreikenden von der dritten Verhandlung in der vergangenen Woche. „Die Geschäftsführung hat bei dem letzten Treffen zwar viel geredet, sich aber wieder null bewegt“, sagte Jänicke. „Dieses Verhalten ist respektlos gegenüber euch, die ihr hier jeden Tag gute Arbeit leistet.“ Jänicke kündigte an: „Wenn die Arbeitgeberseite ihre Blockadehaltung nicht schnell aufgibt, werden wir heute nicht das letzte Mal hier vor dem Werk gestanden haben.“

Die Metaller Mathias Kapp und Christian Öfelein von Betonstahl Lamperheim (BSL) überbrachten den Warnstreikenden solidarische Grüße. Das in Hessen ansässige Unternehmen BSL gehört wie BES zum Riva-Konzern. „Euer Streik zeigt ganz deutlich: Gute Arbeit verdient faire Bezahlung und verlässliche Tarifverträge“, sagte Mathias Kapp in seiner Grußbotschaft im Namen der Belegschaft bei Betonstahl Lampertheim zu seinen Kolleginnen und Kollegen bei BES. „Dass ihr heute hier steht und für eure Tariferhöhung kämpft, ist ein starkes Zeichen für Zusammenhalt und Solidarität. Euer Streik ist wichtig, für euch, aber auch für uns alle. Denn jede Belegschaft, die für ihre Rechte einsteht, stärkt unsere Arbeit.“

Thomas Albrecht, stellvertretender Vertrauenskörperleiter und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei BES, appellierte eindringlich an seine Kolleginnen und Kollegen, „standhaft“ zu bleiben. Er wies darauf hin, dass das Brandenburger Elektrostahlwerk eines der produktivsten im gesamten Konzern sei. „Eine Abkopplung vom Flächentarif dürfen wir unter keinen Umständen zulassen“, unterstrich Albrecht. „Wir müssen unseren Tarifvertrag unbedingt erhalten. Dafür werden wir weiterhin geschlossen zusammenstehen.“

Hintergrund: Die Beschäftigten bei B.E.S. haben keinen Flächen-, sondern einen Anerkennungstarifvertrag. In den vergangenen drei Jahrzehnten war es bei B.E.S., das zum Riva-Konzern gehört, bisher üblich, dass der Arbeitgeber den für die Fläche ausgehandelten Tarifabschluss für die Stahlindustrie eins zu eins übernimmt. Angemerkt sei: Auch in der Vergangenheit bedurfte es des ein oder anderen Warnstreiks, um den Arbeitgeber zur Übernahme des Ergebnisses in der Fläche zu bewegen.

Bereits im September 2025 haben IG Metall und die Arbeitgeberseite ein Verhandlungsergebnis für die ostdeutsche Stahlindustrie erzielt: Demnach steigen die Entgelte für die Beschäftigten ab dem 1. Januar 2026 um 1,75 Prozent. Die Ausbildungsvergütung wird überproportional um 75 Euro im Monat erhöht. Zum Paket gehört außerdem eine Verlängerung der Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, zu Werkverträgen und zur Altersteilzeit. Diese sichern unter anderem die Übernahme von Auszubildenden, die Absenkung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden mit einem teilweisen Entgeltausgleich sowie Regelungen zu Arbeitszeitkonten beziehungsweise Altersteilzeit. Der aktuelle Tarifvertrag in der ostdeutschen Stahlindustrie läuft bis zum 31. Dezember 2026.

Dieser dritte Warnstreik bei B.E.S. war übrigens erst der dritte in der gesamten Stahltarifrunde. Die Arbeitgeberseite und die IG Metall hatten sich nach vier zähen Gesprächsrunden am Verhandlungstisch im Spätsommer 2025 kurz vor dem Ablauf der Friedenspflicht Ende September auf einen Abschluss für die Fläche geeinigt.

 

Von: vw

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