05.12.2025 | Mehrere hundert Menschen haben am Freitag, 5. Dezember, auf dem Rathausplatz in Hennigsdorf lautstark für den Erhalt des örtlichen Stahlwerks und der Arbeitsplätze demonstriert. Auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften und aus der Politik bekundeten ihre Solidarität mit den Beschäftigten im HES-Stahlwerk. Die Kolleginnen und Kollegen sind seit Anfang des Jahres in Kurzarbeit, weil der Betreiber – der Riva-Konzern – das Stahlwerk im Januar 2025 heruntergefahren hat. Bisher hat der Riva-Konzern noch keine Antworten darauf gegeben, wie es im Stahlwerk Hennigsdorf im kommenden Jahr weitergehen soll. Das sorgt bei den Kolleginnen und Kollegen für große Wut und Verunsicherung.
Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam, forderte den Riva-Konzern auf, endlich konkrete Pläne vorzulegen, wie es nach zwölf Monaten Kurzarbeit im nächsten Jahr im Stahlwerk Hennigsdorf weitergeht. „Die Hinhaltetaktik des Riva-Konzerns ist nicht nur unwürdig, sie ist inakzeptabel. Gerade jetzt vor Weihnachten ist dies einfach nur rücksichtslos.“
Jahn prangerte an, dass der Riva-Konzern seine Beschäftigten und deren Arbeit nicht wertschätze. Das zeige sich auch daran, dass er das von der IG Metall und dem Arbeitgeberverband für die Stahlindustrie ausgehandelte Flächentarifergebnis von 1,75 Prozent mehr Lohn nicht übernehme. „In diesem Punkt ist der Arbeitgeber ausnahmsweise mal klar: Das seid ihr eurem Arbeitgeber offensichtlich nicht wert“, so Jahn.
Der Standort Hennigsdorf müsse komplett erhalten bleiben, forderte Jahn. „Nur so kann es eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze geben.“ Sie stellte klar: „Wir wollen keine Salamitaktik einer teilweisen Schließung und des Abbaus der Arbeitsplätze akzeptieren.“
Zum Abschluss ihrer Rede sagte Jahn: „Wir sind lösungsorientiert und bereit für Gespräche, aber wir sind auch bereit für die notwendige Auseinandersetzung. Wir werden für eine sichere Zukunft kämpfen.“
Der Hennigsdorfer Bürgermeister Thomas Günther bekräftigte, dass ganz Hennigsdorf hinter dem Stahlwerk stehe. „Stahl hat unsere Stadt geprägt und das muss auch so bleiben“, sagte Günther. An die Politik gerichtet sagte er: „Die Stahlwerker hier in Hennigsdorf wollen faire Bedingungen, damit sie ihre guten Produkte verkaufen können.“
Auch Hella Hesselmann, Geschäftsführerin des DGB Westbrandenburg, beklagte, dass der Arbeitgeber offensichtlich keinen Plan habe, wie es in Hennigsdorf ab dem 1. Januar 2026 weitergehen soll. „Es ist bereit fünf nach zwölf“, sagte Hesselmann. „Die Situation ist unerträglich.“ Sie sicherte den HES-Beschäftigten die volle Solidarität des DGB zu.
Clemens Rostock, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Brandenburg, betonte, dass „wir den Druck weiter hochhalten müssen.“ Die ganze Stadt und Region müsse hinter den Stahlwerkern stehen, so Rostock. Er prangerte nicht nur die schlechte Führung der Arbeitgeberseite an, sondern forderte von der Politik eine Nachbesserung der Rahmenbedingungen für die Stahlindustrie.
Seine Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen in Hennigsdorf bekundete auch Holger Wachsmann, Geschäftsführer der IG Metall Ostbrandenburg und zuvor viele Jahre Betriebsratsvorsitzender im Stahlwerk Eisenhüttenstadt. „Hennigsdorf muss bestehen bleiben“, unterstrich Wachsmann und rief dazu auf, „gemeinsam zu kämpfen.“ Wachsmann bekräftigte: „Alle Stahlstandorte und Arbeitsplätze in Deutschland müssen erhalten bleiben.“
Metaller Heiko Engelmann, Betriebsratsvorsitzender bei Alstom in Hennigsdorf, war mit einer Delegation von IG Metall-Vertrauensleuten vor Ort. „Es ist für uns nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern eine Verpflichtung, hier an eurer Seite zu stehen“, so Engelmann. „Wichtig ist, dass wir jetzt viel Öffentlichkeit schaffen.“
Auch Klaus Höckel, Vorsitzender des Stahlwerker Traditionsvereins Hennigsdorf, bekräftigte, dass die Politik die Industrie wesentlich stärker unterstützen müsse. Er appellierte, dass die Stahlwerker jetzt laut sein und kämpfen müssten. Höckel: „Dass wir kämpfen können, haben wir in der Vergangenheit schon öfter erfolgreich bewiesen, zum Beispiel 1953 und Anfang der 90er Jahre.“