30.03.2026 | Wenn beim Logistikunternehmen HSN in Nauen am 15. April ein neuer Betriebsrat gewählt wird, wird sich Christine Rieck für eine zweite Amtszeit in dem neunköpfigen Gremium zur Wahl stellen. Die überzeugte Metallerin will mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen bei dem Logistikunternehmen für die derzeit 230 Beschäftigten weiter zu verbessern, denn „bei uns gibt es noch sehr viel zu tun.“
„Ich möchte mich weiterhin in unserem Betriebsrat engagieren, weil wir bei uns noch sehr viel verbessern können – und sollten. Man darf bei der Betrachtung der aktuellen Lage in unserem Betrieb nicht vergessen, dass wir erst seit etwa zehn Jahren überhaupt einen Betriebsrat haben. Nach den vielen Jahren ohne betriebliche Interessenvertretung hat es einige Zeit gedauert, bis die Kolleginnen und Kollegen sich getraut haben, mit ihren Anliegen auf den Betriebsrat zuzugehen. Mittlerweile erfährt der Betriebsrat bei den Beschäftigten viel positive Resonanz.
Die Arbeitsbedingungen bei uns sind hart. In den vergangenen Jahren konnten wir schrittweise erste Verbesserungen erreichen. Früher mussten wir in der Spätschicht zwei Wochen im Monat bis zu zehn Stunden arbeiten, mittlerweile ist es nur noch eine Woche mit bis zu zehn Stunden pro Monat. Die Frühschicht arbeitet inzwischen immer 7,6 Stunden am Tag. Das war früher nicht die Regel. Da mussten die Kolleginnen und Kollegen oft auch länger ran. Mehrarbeit sollte nach meiner Meinung prinzipiell nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Wir haben also noch einiges zu tun.
Es gibt noch viele weitere Dinge, die mich sehr ärgern. So werden bei uns beispielsweise keine Schicht- und Überstundenzuschläge bezahlt. Das ist ungerecht und muss sich in Zukunft ändern. Dafür werde ich mich als Betriebsrätin einsetzen.
Neue Kolleginnen und Kollegen werden bei HSN oft nur mit befristeten Zeitverträgen oder als Leiharbeiter angestellt. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Fluktuation sehr hoch ist. Leute auf Dauer zu halten funktioniert nur, wenn man als Arbeitgeber gute Arbeitsbedingungen bieten kann. Darauf müssen wir in den Auseinandersetzungen mit der Geschäftsführung immer wieder insistieren.
Wir müssen die Arbeitsbedingungen dahingehend verbessern, dass Beruf und Familie für die Kolleginnen und Kollegen besser miteinander vereinbar sind. Besonders ältere Kollegen sollten besser geschützt werden, ebenso Kolleginnen und Kollegen mit kleinen Kindern. Es ist mir ein Anliegen, dass alle Kolleginnen und Kollegen in vergleichbaren Situationen gleichbehandelt werden. Bei uns wird noch zu oft nach dem Nasenprinzip entschieden, auf wen mehr Rücksicht genommen wird und auf wen weniger. Diese Ungerechtigkeit muss ein Ende haben.
Es ist für unseren Betriebsrat gut zu wissen, dass wir die IG Metall im Rücken haben. Die Gewerkschaft ist ein unverzichtbarer Partner für uns. Gemeinsam mit der IG Metall Oranienburg-Potsdam konnten wir im vergangenen Jahr erstmals einen Haustarifvertrag für unseren Standort erkämpfen. Im Zuge der Tarifverhandlungen haben wir zudem erreicht, dass die Betriebsvereinbarung Altersteilzeit um weitere zwei Jahre verlängert wurde. Außerdem konnte zusätzlich die Zahlung eines Urlaubsgelds, das es vorher bei HSN nicht gab, ausgehandelt werden. Die Höhe des Weihnachtsgelds wurde festgeschrieben; zuvor gab es bei der Zahlung erhebliche Schwankungen. Außerdem konnten wir die Betriebsvereinbarung „Bonussystem Logistik“ abschaffen. Dieses vermeintliche Bonussystem sah vor, dass den Kolleginnen und Kollegen Geld abgezogen wird, ohne dass sie das persönlich beeinflussen konnten, beispielsweise wenn Andere krank waren oder bestimmte Produktivitätsquoten auch ohne eigenes Verschulden nicht erreichen konnten.
Der erfolgreiche Kampf für einen Tarifvertrag hat uns gezeigt, dass wir spürbare Verbesserungen erreichen können, wenn wir unsere Kräfte bündeln, solidarisch handeln und gemeinsam für unsere Interessen eintreten. Das sollte uns Hoffnung für die Zukunft machen.
Ich hoffe, dass sich möglichst viele Kolleginnen und Kollegen an der Betriebsratswahl beteiligen. Denn je mehr bei der Wahl mitmachen und den Betriebsrat tatkräftig unterstützen, umso stärker und durchsetzungsfähiger ist der Betriebsrat gegenüber der Geschäftsführung.“
Die gelernte Facharbeiterin für Lagerwirtschaft Christine Rieck arbeitet seit rund drei Jahrzehnten bei HSN in Nauen. Dort ist die 57-Jährige als Staplerfahrerin tätig.