16.06.2026 | Eine konsequent konfliktorientierte Interessenpolitik in den Betrieben, die Abwehr der Angriffe auf den Sozialstaat durch Regierung und Arbeitgeber und die aktuelle Lage in einigen Betrieben in der Region: Diese Themen standen neben Zahlen und Fakten zur Mitgliederentwicklung im Mittelpunkt der ersten gemeinsamen Delegiertenkonferenz der IG Metall-Kooperationsgeschäftsstellen Potsdam und Oranienburg am 16. Juni im Stadtkulturhaus in Hennigsdorf.
Zu Beginn der Veranstaltung stellte Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der Kooperationsgeschäftsstellen Oranienburg und Potsdam, die aktuellen Geschäftsberichte vor: Erfreulich ist, dass die IG Metall Oranienburg-Potsdam in einzelnen Betrieben und bei den Auszubildenden in der ersten Jahreshälfte Mitglieder hinzugewinnen konnte.
Gemeinsam Durchsetzungsfähigkeit in den Betrieben entwickeln
Vor diesem Hintergrund formulierte Stefanie Jahn als Ziel: „Wir wollen ein IG Metall, die handelt – nicht abwartet; eine IG Metall, die gemeinsam kämpft – und gemeinsam gewinnt.“ Sie stellte klar: „Gute Arbeit, sichere Beschäftigung und faire Bedingungen gibt es nicht von alleine. Dafür müssen wir kämpfen. Darum müssen wir in den Betrieben konfliktfähig und durchsetzungsstark sein. Diese Durchsetzungsfähigkeit müssen wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen entwickeln.“
Die klare Botschaft und Kampfansage als gemeinsames Framing nach außen und Orientierung nach innen der IG Metall müsse lauten: „Immer stärker mit uns“, so Jahn. „Wir müssen die Interessengegensätze klar benennen und konsequent für unsere Interessen einstehen – wenn es sein muss, auch vor den Werktoren“, unterstrich Jahn. „Wir müssen Tarifkonflikte konsequent führen. Das heißt: Kein Tarifabschluss ohne betriebliche Mobilisierung, Beteiligung und Konfliktfähigkeit, keine Betriebsschließung oder Personalabbau ohne erlebbaren Widerstand. Dafür müssen die Aktiven befähigt werden, die notwendigen Auseinandersetzungen vor Ort zu führen.“
Jetzt reicht’s: Angriffe auf den Sozialstaat abwehren
Eine der wesentlichen Herausforderungen für die IG Metall in der aktuellen politischen Situation sei, die aktuellen Angriffe auf den Sozialstaat durch die Regierungsparteien und die Arbeitgeber aktiv abzuwehren, so Stefanie Jahn. Im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum seien die Sozialabgaben konstant, stellte Jahn klar. Maßnahmen wie Abschaffung des 8-Stunden-Tages, weniger Gesundheitsleistungen, Kürzungen und Einsparungen seien keine Reform, sondern gefährdeten die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt.
Darum müsse gegen diese angekündigten Maßnahmen konsequent Widerstand geleistet werden. „Hände weg von unserem Sozialstaat“, betonte Jahn. „Jetzt reicht’s: Das ist kein Slogan, sondern eine Haltung. Es ist die klare Ansage: Wir lassen uns nicht entwürdigen und gegeneinander ausspielen.“ Der Sozialstaat sei kein Problem, sondern Grundlage für Sicherheit, Zusammenhalt und ein würdiges Leben für alle, unterstrich Jahn. Eine echte Reform müsse Finanzierung neu ordnen, Arbeit entlasten, Vermögen fairer mit einbeziehen, Kommunen strukturell stärken. Wenn unten verzichtet werden soll und oben geschützt, sei das keine Reform, so Stefanie Jahn. Sie rief die Metallerinnen und Metaller dazu auf, sich an der Demo für den Sozialstaat unter dem Motto „Jetzt reicht’s“ am 27. Juni um 12 Uhr am Invalidenpark in Berlin zu beteiligen. Jahn: „Lasst uns gemeinsam ein starkes Zeichen setzen – für soziale Gerechtigkeit, für Solidarität und unsere gemeinsame Zukunft.“
Aktivierende Befragung in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie
Was erwarten die Kolleginnen und Kollegen von den im Herbst anstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie? Das war ein weiteres Thema der Veranstaltung in Hennigsdorf. Um das herauszufinden, wird die IG Metall die Beschäftigten in mehr als 220 Betrieben im IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen befragen. Ziel ist, mindestens 12.000 Antworten zu erhalten. Diese sollen dann eine Grundlage für die Forderung der Tarifkommission sein.
Bei den Berichten aus den Betrieben erwähnte Stefanie Jahn als erstes den erfolgreichen Tarifabschluss im Elektrostahlwerk BES in Brandenburg in der Havel. Dort stimmte die Geschäftsleitung erst nach vier Warnstreiks und kurz vor der Urabstimmung über einen unbefristeten Streik der Übernahme des Flächentarifvertrags in der Stahlindustrie in modifizierter Form zu.
Außerdem schilderten die Kolleginnen und Kollegen der IG Metall Oranienburg-Potsdam auch die aktuelle Lage bei BSH in Nauen, Hellmers in Wittstock/Dosse, Hartmann in Brück und Voest Alpine TTG in Kirchmöser in Kürze.