08.07.2026 | Die Belegschaft bei Hellmers Fahrzeugbau in Wittstock/Dosse hat am 8. Juli mit einem Warnstreik Stärke und Entschlossenheit in der aktuellen Tarifrunde Metallhandwerk demonstriert. An der einstündigen Arbeitsniederlegung im Anschluss an eine aktive Mittagspause beteiligten sich sämtliche Beschäftigten. Am Vortag der zweiten Tarifverhandlung für das Metallhandwerk Berlin-Brandenburg sendeten die Kolleginnen und Kollegen geschlossen ein unmissverständliches Signal Richtung Arbeitgeber: Mit mickrigen 2,5 Prozent mehr Geld lassen wir uns nicht abspeisen!
Eine läppische Lohnerhöhung um 2,5 Prozent: So wenig hatte die Arbeitgeberseite bei der ersten Verhandlung zwischen der IG Metall und dem Landesinnungsverband Berlin-Brandenburg am 30. Juni vorschlagen; im Detail: 450 Euro Einmalzahlung für die Monate Januar bis August 2026, Erhöhung der Entgelte um 2,5 Prozent ab dem 1. September 2026, Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 3,0 Prozent ab dem 1. September 2026, Laufzeit des Tarifvertrags: 12 Monate bis Ende 2026.
Das ist nach einhelliger Meinung der Beschäftigten, die sich bei strahlendem Sonnenschein, Bratwürsten, Tomatensalat und Kaltgetränken vor dem Werk auf der Terrasse des benachbarten Stadthotels Wittstock versammelt hatten, ein inakzeptables Angebot. Sie verlangen deutlich mehr und stellten sich hinter die Forderungen der IG Metall: sechs Prozent mehr Entgelt, eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen und eine Entlastung der Beschäftigten mit einer finanziellen und zeitlichen Komponente.
„Der heutige Warnstreik ist ein Zeichen, das wir setzen müssen. Unsere Forderungen für die aktuelle Tarifrunde sind realistisch und notwendig“, unterstrich Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam und Mitglied der Verhandlungskommission, bei ihrer Ansprache an die Warnstreikenden.
Jahn ging auf die Darstellung der Arbeitgeber ein, dass viele Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr zahlen könnten. „Das mag vielleicht auf Einzelunternehmen mit einem oder sehr wenigen Beschäftigten zutreffen, aber nicht auf größere Handwerks- und Industriebetriebe wie beispielsweise Hellmers“, sagte Jahn. „Wir können den Arbeitgebern auch vorschlagen, dass sie Lohnerhöhungen ausschließlich an Gewerkschaftsmitglieder zahlen.“ Es sei jedoch sehr fraglich, ob die Arbeitgeber darauf eingingen, so Jahn.
Stefanie Jahn stellte auch die gewerkschaftliche Forderung nach einer Entlastung der Beschäftigten mit einer finanziellen und zeitlichen Komponente näher vor. „Das heißt, Beschäftigte haben die Wahl zwischen einer zusätzlichen Extrazahlung oder zusätzlichen freien Tagen. Das funktioniert in anderen Branchen auch ohne größere Probleme“, sagte Jahn. Die Argumentation der Arbeitgeber, dass das nicht leistbar und mit einem zu hohen bürokratischen Aufwand verbunden sei, sei nicht schlüssig, so Jahn.
Die Weigerung der Arbeitgeber, Auszubildenden eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen zuzugestehen, bezeichnete Jahn als kontraproduktiv. „Im Metallhandwerk bekommen Auszubildende im ersten Jahr 780 Euro im Monat. Mit einer solch niedrigen Ausbildungsvergütung kann man keine Nachwuchsfachkräfte gewinnen, die wir aber dringend brauchen“, sagte Jahn. „Zum Vergleich: Im Elektrohandwerk bekommen Auszubildende im ersten Jahr 1000 Euro monatlich.“
In den vergangenen Monaten gab es bereits einige Tarifabschlüsse im Metallhandwerk, beispielsweise für Niedersachsen/Bremen, Rheinland/Rheinhessen, Sachsen-Anhalt, das Saarland und Hamburg. „Es wird Zeit, dass wir in Berlin-Brandenburg endlich nachziehen“, betonte Stefanie Jahn und stellte klar: „Nach der Tarifrunde ist vor der Tarifrunde. Wir werden uns bereits im Herbst wieder zusammensetzen und gemeinsam diskutieren, wie unsere Forderungen beim nächsten Mal aussehen sollen. Wenn wir unsere Stärke dauerhaft und konsequent zeigen, können wir viel erreichen.“