IG Metall Oranienburg und Potsdam
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02.07.2022, 03:07 Uhr

Tarifkommission Stahl-Ost

Monatslöhne müssen steigen

  • 01.04.2022
  • Aktuelles

Für die Stahlindustrie Ost steht in der Tarifrunde 2022 die Forderung nach mehr Geld klar im Vordergrund. Dies zeigte sich bei der Sitzung der Tarifkommission Ost, die zum ersten Mal wieder in Präsenz zusammenkam. Zugleich prägten die schwierigen Rahmenbedingungen die Debatte.

Einstimmig beschloss die Tarifkommission die Kündigung der Tarifverträge. (Bilder: C. von Polentz)

„Wir brauchen eine anständige prozentuale Erhöhung der Entgelte", sagte Dirk Vogeler von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ähnlich wie viele andere auch. Übereinstimmend stellten die Mitglieder der Tarifkommission beim Treffen in Berlin-Schönefeld klar: Diesmal muss es eine tabellenwirksame Erhöhung der Monatsgehälter geben. Eine Einmalzahlung reicht den Kolleginnen und Kollegen nicht. Die steigenden Preise treffen die Beschäftigten hart. Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Lage der Stahlindustrie nach wie vor sehr gut. Die Unternehmen haben im vergangenen Jahr hohe
Gewinne eingefahren, sie profitieren weiterhin von einer guten bis sehr guten Auftragslage. Zudem kann die Stahlindustrie – im Unterschied zu anderen Branchen – vielfach die Belastung durch die teure Energie an ihre Kunden weiterreichen, indem sie ihre Preise erhöht.

Auftragslage bleibt stabil

IG Metall-Konjunkturexperte Uwe Fink betonte: „Die Auftragslage liegt stabil auf hohem Niveau. Es gab einen Einbruch, aber keinen Absturz." Die Aussichten jedoch seien geprägt »von einem unkalkulierbaren Risiko aufgrund des Krieges". Besonders gefährdet ist derzeit die Versorgung der Industrie mit Gas. Im Raum stand am Tag der Beratungen ein Lieferstopp durch Russland, weil der Westen die Forderung Moskaus nach Bezahlung mit Russland ablehnt (da dies die eigenen Sanktionen gegen den Kriegstreiber unterlaufen würde). Ein Stopp der russischen Gaslieferungen  wäre ein harter Schlag für die Stahlhersteller, die ihre Produktion einstellen müssten.

Bundesregierung muss in dieser Lage Beschäftigte und Industrie unterstützen

Die Tarifkommission beschloss einstimmig die Kündigung der Tarifverträge über Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen, um Platz zu machen für einen neuen Abschluss. „Die Diskussion zeigt, dass es zentral darum gehen wird, in der Tabelle die Entgelte zu erhöhen", betonte IG Metall-Bezirksleiterin Birgit Dietze. „Dabei werden wir gleichwohl auf Sicht fahren. Sollte sich die aktuelle Situation drastisch verändern, so werden wir darauf reagieren." Dietze verwies darauf, dass die Tarifpolitik die Probleme durch die Inflation und die hohen Energiepreise nicht allein lösen könne. Die Bundesregierung stehe in der Verantwortung, in dieser schwierigen Situation die Beschäftigten und auch die energieintensiven Industriebranchen zu unterstützen. Mit dem gerade beschlossenen zweiten Entlastungspaket habe die Koalition bereits einige Forderungen der IG Metall erfüllt.

Quelle: IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen