IG Metall Oranienburg und Potsdam
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19.07.2019, 14:07 Uhr

Tarifrunde im KFZ-Handwerk

Kfz-Handwerker starten Tarifrunde mit 5-Prozent-Forderung

  • 27.03.2019
  • Aktuelles, Handwerk, KFZ Handwerk

Mindestens 5 Prozent mehr Geld für 12 Monate und 60 Euro für die Auszubildenden, lautet die Forderung, die am Mittwoch die Mitglieder der Kfz-Tarifkommissionen für Berlin, Brandenburg und Sachsen dem Vorstand vorgelegt haben. Zudem soll die um 182 Euro geringere Bezahlung der Brandenburger gegenüber Berlin endgültig beendet werden.

5% ist die Forderung in der laufenden Tarifrunde - Foto: IG Metall

Rekord bei Kfz-Werkstätten und Autohäuser

Volle Werkstätten mit einer maximalen Auslastung sind ein aktuelles Kennzeichen der wirtschaftlichen Lage der Kfz-Werkstätten und Autohäuser. Die WLTP-Zulassungsprobleme der Hersteller sind offensichtlich überwunden. Der deutsche Neuwagenmarkt legte im Februar um 2,7 Prozent zu. Das Gewerbekundengeschäft bringt zusätzlichen Aufschwung. Das Flottenschgeschäft stieg mit 11,5 Prozent sehr kräftig. Bei den Nutzfahrzeugneuzulassungen zeigten sich durchgängig positive Vorzeichen, die bei den Zugmaschinen (+34,2 %), darunter Sattelzugmaschinen (+26,1 %), den Lastkraftwagen (+13,8 %) und den Sonstigen Kraftfahrzeugen (+19,0 %) zweistellig ausfielen. Die Kraftradzulassungen stiegen vor dem nahenden Saisonauftakt um +64,2 Prozent. Die Gewinne der Hersteller sind Zeugnis dieser Entwicklung.

Auf der anderen Seite stehen unsere Kolleginnen und Kollegen im Kfz-Handwerk, die diese Erfolge erst ermöglichten. Sei es in der Werkstatt, am Tresen, der Verwaltung oder im Verkauf. Sie stehen den Kunden gegenüber. Sie mussten die Herstellermängel beiseitigen und werden auch künftig die Umrüstungen und neuen Herausforderungen mit viel Sachverstand und Engagement bewältigen.

Es läuft was schief

Immer mehr junge Menschen wenden sich vom ehemals beliebtesten Beruf im Kfz-Handwerk ab. Die Gründe liegen auf der Hand: Wenig Aufstiegsperspektiven, deutlich schechtere Bezahlung als in der Industrie und kaum Chancen auf eine familiengerechte Arbeitszeit. Für Frauen wird viel zu wenig gemacht. Den moderen Lebensentwürfen der jungen Menschen kommen die Arbeitgeber des Kfz-Handwerks nur sehr schlepend entgegegen. 

Besonders krass ist die ungleiche Bezahlung. Nunmehr in zweiter Gereration werden Beschäftigte in Ostdeutschland nur deshalb erheblich geringer bezahlt, weil sie einen anderen Arbeitsort haben. In Berlin bekommt der Kfz-Geselle 363 Euro weniger als in Baden-Württemberg. Das sind 14 Prozent Abschlag!

Skandal in Brandenburg

Richtig bitter ist es in Brandenburg. Da bekommt ein Kfz-Mechatroniker nur wenige Meter nach dem Berliner Ortsschild sogar 182 Euro im Monat weniger als in Berlin. Und das im gleichen Konzern bzw. Unternehmen! Somit erhält der Brandenburger 21 Prozent weniger als seine Kollegin oder Kollege unter dem gleichen Stern im Muster-Ländle. Das ist ene unglaubliche Ungerechtigkeit und die wollen wir beenden!

Fragen Sie Ihren Autohändler nach dem Ostabschlag

Die Antwort zu der nicht ganz ernstgemeinten Aufforderung können sich Kunden gleich selbst geben. Natürlich ist der PKW oder die Reparatur nicht 21 Prozent billiger, weil die Beschäftigten in Potsdam oder Schönefeld geringere Löhne bekommen. Sie zahlen brav den vollen Verrechnungssatz und die aufgerufenen Preise. Wohin die Differenz geht kann man sich ja denken.

Schluss jetzt - Zahltag

Die Metallerinnen und Metaller haben davon genug. Mindestens fünf Prozent müssen drin sein. Und die Auszubildenden brauchen endlich anschlussfähige Vergütungen. Hier wollen wir mindestens 60 Euro mehr im Monat. Um die Sache rund zu machen, verlangen wir das Ende der Billiglohnzone Brandenburg.

Schon am 26. März werden wir mit den Arbeitgebern im Potsdamer Kongresshotel diese Fragen intensiv beraten. Wir erwarten eine zügige Einlassung, gemeinsam die Ungleichheit zu beenden und eine bessere Persepektive für die jungen Leute aufzustellen.

Tarifverträge laufen am 30. April aus - die Friedenspflicht endet

Das bedeutet, bis zum Ende der Laufzeit gibt es keinen Arbeitskampf. Danach sind Warnstreiks oder mehr möglich. Das hängt von den Arbeitgebern ab. Wir bereiten uns derzeit auf alle Szenarien gründlich vor. 

Die nächsten Schritte

In den kommenden Tagen wird in den Betrieben über die Tarifrunde und unsere Forderungen gesprochen. Wir bereiten uns auf eine harte Auseindersetzung vor. Noch ist es Zeit, unsere Mannschaft zu unterstützen und Mitglied zu werden. Unsere Ziele sind gerecht, vernünftig und sichern allen Beschäftigten einen gerechten Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen. 

Nach der ersten Verhandlung werden wir sehen, wo die Arbeitgeber stehen und was wir dazu sagen müssen. Unsere Tarifkommission ist jedenfalls bestens vorbereitet. 

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