IG Metall Oranienburg und Potsdam
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12.08.2022, 21:08 Uhr

Zweiter 24-Stunden-Warnstreik bei Mahle in Wustermark

Eindrucksvoller Protest der Mahle-Belegschaft in der Hauptstadt: „Wir haben die Schnauze voll!“

  • 26.04.2021
  • Aktuelles

Bei ihrem zweiten 24-Stunden-Warnstreik innerhalb von weniger als einer Woche trugen die Beschäftigten von Mahle in Wustermark ihre Forderung nach der Angleichung Ost am Montag, 26. April, eindrucksvoll in die Bundeshauptstadt: Mit einem von der Polizei vorbildlich eskortierten Autokorso fuhren sie am Vormittag stressfrei ins Zentrum Berlins bis auf die Oberbaumbrücke, die die historische Verbindung zwischen den Stadtteilen Kreuzberg und Friedrichshain. Dort wurden sie von mehr als 250 weiteren Kolleginnen und Kollegen aus zahlreichen Berliner und Brandenburger Betrieben solidarisch empfangen.

Die Kolleginnen und Kollegen von Mahle aus Wustermark fuhren mit einem Autokorso in die Hauptstadt, um für ihre Forderung nach der Angleichung Ost zu demonstrieren. - Fotos: Volker Wartmann

Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam, erläutert der Belegschaft vorab den Ablauf der Veranstaltung.

Eine kampfbereite und verschworene Gemeinschaft: die Kolleginnen und Kollegen von Mahle in Wustermark.

Gleich geht's los Richtung Berlin ...

Einsteigen bitte ...

Auf seinem Weg zur Oberbaumbrücke kommt der Autokorso aus Wustermark auch an der Siegessäule vorbei.

Der Autokorso hat das Ziel erreicht: Ankunft auf der Oberbaumbrücke.

David Schmidt, Betriebsratsvorsitzender bei Mahle in Wustermark, fasst die Stimmung der Belegschaft prägnant zusammen: "Wir haben die Schnauze voll!"

Die Oberbaumbrücke ist an diesem Vormittag fest in der Hand der Metallerinnen und Metaller.

Berlins Regierender Bürgermeister sicherte den Prostierenden die Solidarität des Senats zu.

An der Kundgebung auf der Oberbaumbrücke nahmen rund 300 Delegierte aus zahlreichen Brandenburger und Berliner Betrieben teil.

Birgit Dietze, Verhandlungsführerin und IG Metall-Bezirksleiterin in Berlin-Brandenburg-Sachsen, forderte die Arbeitgeber auf, endlich konstruktiv zu verhandeln.

Auch mehr als 30 Jahre nach der Wende noch immer ein beliebtes Fotomotiv: ein Trabi ...

Nur kurz für ein Foto mal ein paar Augenblicke ohne Maske (von links nach rechts): Regina Katerndahl, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, Birgit Dietze, IG Metall Bezirksleiterin Berlin-Brandenburg-Sachsen, Christian Hoßbach, DGB-Vorsitzender Berlin-Brandenburg

Darum geht's: Angleichung Ost! Jetzt!

David Schmidt, Betriebsratsvorsitzender bei Mahle in Wustermark, unterstrich die Kampfbereitschaft der Mahle-Belegschaft, um endlich gleiche Arbeitsbedingungen in Ost und West erreichen. „Wir sind seit Jahren von Ungerechtigkeit geplagt und wir sind sehr motiviert, die Angleichung Ost jetzt endlich durchzusetzen“, sagte Schmidt. „Wir machen heute bereits unseren zweiten 24-Stunden-Warnstreik und sind zu weiteren bereit. Die Mannschaft ist sogar bereit, in den Erzwingungsstreik zu gehen.“ Schmidt stellte klar: „Wir zeigen den Arbeitgebern jetzt, wo der Frosch die Locken hat. Wir wollen die Angleichung jetzt. Wir haben die Schnauze voll!“

Bürgermeister Michael Müller: „Das Land Berlin steht an eurer Seite.“

Der Regierende Bürgermeister von Berlin sagte mitten auf der für den Autoverkehr gesperrten Oberbaumbrücke: „Es ist ein besonderer, ein historischer Ort. Es ist der Ort des Zusammenwachsens. Es ist der Ort, der die Einheit symbolisiert. Wir kommen hier in einem besonderen Jahr zusammen. In einem Jahr, in dem wir am 13. August den 60. Jahrestag des Mauerbaus begehen werden. Und wir wissen: Wir sind zum Glück auch schon über 30 Jahren wiedervereint und die Mauer ist weg. Aber die Mauer muss überall weg, wo sie noch trennt. Und dass sie ausgerechnet im Arbeitsleben trennt, ist eine Schande. Und die muss beendet werden.“

Müller sagte, dass es richtig sei, dass die IG Metall die Forderung Angleichung Ost in dieser Tarifrunde aufgerufen habe – trotz schwerer Zeiten. Denn: „Irgendwie höre ich seit 30 Jahren, dass irgendwie immer schwere Zeiten sind. Und es gibt immer wieder einen anderen Grund, warum es nicht geht, endlich für Gerechtigkeit in der Arbeitswelt zu sorgen.“

Michael Müller versicherte den Beschäftigten, dass das Land Berlin, der Senat, hinter ihrer Forderung stehe und „gemeinsam mit Euch kämpfen will.“ „Es geht gerade in Berlin nicht, dass wir diese Ungleichheit akzeptieren. Wir müssen dafür kämpfen, dass von Berlin aus auch das Signal ausgeht: Wir sind eins, in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt“, so Müller. „Für Euren Kampf wünsche ich Euch von Herzen viel Erfolg und viel Kraft. Wir sind an Eurer Seite. Wir wollen, dass sich was bewegt und dass wir gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen.“

Kundgebung mit Delegationen aus Berliner und Brandenburger Betrieben
Aus Berlin und Brandenburg waren zahlreiche Delegationen von Beschäftigten aus den Betrieben auf die Oberbaumbrücke gekommen, um – coronakonform mit Abstand, Maske und Anstand – für ihre Forderungen in der im Bezirk noch immer laufenden Tarifrunde ein deutliches Zeichen zu setzen. „Mehr als 30 Jahre nach der Wiedereinigung ist es wirklich niemandem mehr erklärbar, warum diesseits und jenseits des Flusses unterschiedliche Arbeitsbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie gelten“, sagte Birgit Dietze, Verhandlungsführerin und IG Metall-Bezirksleiterin in Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Wenn wir uns rechts und links umschauen, dann stellen wir fest, dass andere Branchen die Angleichung längst geschafft haben, der öffentliche Dienst zum Beispiel oder die Stahl- und Textilindustrie und sogar die Leiharbeit. Nur in der Metall- und Elektroindustrie, Zugpferd für vieles und Leitindustrie, soll das nicht möglich sein.“

Welle der Solidarität und Unterstützung für die Metallerinnen und Metaller im Bezirk
Mit ihrer Forderung nach Gleichbehandlung und Gleichberechtigung ist die IG Metall nicht alleine. Täglich gehen neue Solidaritätsbotschaften ein, ebenso wie Unterstützungszusagen aus Politik und Gesellschaft. Auch die gesamte IG Metall steht hinter der Forderung nach Angleichung Ost.

„Wir sind mittendrin in diesen ganztägigen Warnstreiks und ergänzenden und flankierenden weiteren Warnstreiks“, sagte Birgit Dietze. „Wir haben vergangene Woche vier volle Warnstreiktage hingelegt und an diesen vier Tagen fast so viele Warnstreikende draußen gehabt, wie in den ersten vier Woche dieser Auseinandersetzung. Die Arbeitgeber können sich überlegen, wie lange sie diesen Zustand noch aufrechterhalten möchten.“

Am morgigen Dienstag, 27. April, haben die Arbeitgeber die nächste Gelegenheit, die ganztägigen Warnstreiks zu beenden, wenn sie endlich konstruktiv mit der IG Metall über eine schrittweise Angleichung der Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Die IG Metall verhandelt dann mit dem Arbeitgeberverband Berlin-Brandenburg in der fünften Runde.

Forderungen der IG Metall
Die IG Metall fordert ein Volumen von vier Prozent für Entgelterhöhungen oder zur Beschäftigungssicherung. Außerdem geht es um Zukunftstarifverträge, um die Transformation zu gestalten, und tariflich verbesserte Übernahmeregeln für Ausgebildete.
Dazu fordert die IG Metall im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen für die rund 290.000 Beschäftigten (110.000 in Berlin-Brandenburg und 180.000 in Sachsen) ein Tarifliches Angleichungsgeld, damit 30 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich Schluss ist mit der Ungleichbehandlung der Beschäftigten in Ost und West.

„Die IG Metall hat die Forderung nach dem Tariflichen Angleichungsgeld im Rahmen ihrer Gesamtstrategie bewusst nur in Berlin-Brandenburg und Sachsen aufgestellt. Daher sind die jetzt erfolgenden Pilotübernahmen in anderen Tarifgebieten keine Referenz“, sagt Birgit Dietze, Verhandlungsführerin und Bezirksleiterin der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Das von den Arbeitgebern auch in der vierten Tarifverhandlung in Sachsen wiederholte Nein zum Tariflichen Angleichungsgeld befördert die in den Belegschaften bereits bestehende Empörung.“