IG Metall Oranienburg und Potsdam
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29.11.2022, 19:11 Uhr

Zweiter Warnstreik bei Alstom in Hennigsdorf

„Wir stehen bereit, unsere Forderungen weiter auf die Straße zu tragen.“

  • 15.11.2022
  • Aktuelles

Rund 400 Beschäftigte bei Alstom haben am Dienstag, 15. November, zum zweiten Mal in der aktuellen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie die Arbeit niedergelegt, um mit einem zweistündigen Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen und gegen deren destruktive Verhandlungsstrategie zu protestieren.

Am zweiten Warnstreik bei Alstom in Hennigsdorf nahmen rund 400 Beschäftigte teil. - Fotos: Volker Wartmann

Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam, informierte die Kolleginnen und Kollegen über die kommende Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg am 17. November.

Eine Delegation vom benachbarten Hennigsdorfer Elektrostahlwerk (H.E.S.) überbrachte den Warnstreikenden solidarische Grüße.

Hunderte Kolleginnen und Kollegen unterschrieben für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze am Alstom-Standort Hennigsdorf.

IG Metall-Vertrauensfrau Tanja Scholz freut sich über die große Beteiligung am zweiten Warnstreik.

Blickfang und beliebtes Fotomotiv vor dem Werktor: ein Delorean Baujahr 1981.

Anne Borchelt von der IG Metall Oranienburg-Potsdam bezeichnete die Argumentation der Arbeitgeberseite als Dreistigkeit.

Warnstreik und gute Laune sind kein Widerspruch.

Vom Team der IG Metall-Geschäftsstelle heute beim Warnstreik vor Ort dabei (von links nach rechts): Simon Sternheimer, Anne Borchelt, Stefanie Jahn.

Auch mehrere Pressevertreter waren beim Warnstreik vor Ort, unter anderem der RBB.

Zwischen 12.00 und 14.00 Uhr machten die Kolleginnen und Kollegen vor dem Werktor geschlossen und unmissverständlich klar, dass sie von den Arbeitgebern bei der kommenden Verhandlung am Donnerstag, 17. November, in Baden-Württemberg endlich ein substantielles Angebot erwarten.

„Nicht nur hier am Alstom-Standort in Hennigsdorf, auch an den Alstom-Standorten in Bautzen, Görlitz, Kassel und Salzgitter hat die IG Metall gemeinsam zum Warnstreik aufgerufen“, sagte Anne Borchelt von der IG Metall Oranienburg-Potsdam zu Beginn ihrer Rede. „Wir wollen damit auch ein deutliches Zeichen der Solidarität unter den Standorten setzen und auf die Situation von Alstom in Deutschland aufmerksam machen.“

Zum aktuellen Stand der Tarifverhandlungen sagte Borchelt: „In den vergangenen Wochen hat sich nicht viel getan. Die Arbeitgeber bieten uns weiterhin nur 3.000 Euro netto für eine Laufzeit von 30 Monaten. Und zuletzt haben sie sogar versucht, den steuerfreien Betrag von 3.000 Euro netto in einen von 5.000 Euro brutto umzudefinieren. Das ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten.“ Ziel der IG Metall sei eine Steigerung der Kaufkraft, stattdessen verlangten die Arbeitgeber von ihren Beschäftigten Verzicht, so Borchelt. „Nicht mit uns“, so Borchelt. „Fakt ist: Seit 2018 gab es in der Metall- und Elektroindustrie keine Tariferhöhung. Aber die holen wir uns jetzt!“

„Was die Metallerinnen und Metaller in dieser Tarifrunde zeigen, ist phänomenal. In den vergangenen beiden Wochen haben sich bundesweit bereits mehr als eine halbe Million Beschäftigte beteiligt“, sagte Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam. „Die Botschaft der Warnstreiks ist klar: Die Beschäftigten haben kein Verständnis für die Hinhaltetaktik der Arbeitgeber.“

Jahn erläuterte den Kolleginnen und Kollegen die aktuelle Situation in den Verhandlungen: „Der Vorstand der IG Metall hat gestern den Weg freigemacht für einen Einigungsversuch im IG Metall-Bezirk Baden-Württemberg, wo in Ludwigburg am Donnerstag, 17. November, die nächste Verhandlung stattfindet.“ Ein Ergebnis um des Ergebnisses Willen werde es dort nicht geben, stellte Jahn klar. „Für die Arbeitgeber ist es längst überfällig, jetzt konstruktiv in die nächste Runde zu gehen. An uns wird es nicht scheitern: Weder in den Verhandlungen, noch daran, die Eskalation weiterzuführen“, so Jahn. „Wir können Warnstreik und wir können 24-Stunden-Warnstreik. Das haben wir in den vergangenen Jahren deutlich unter Beweis gestellt. Wer das in Baden-Württemberg noch nicht gelernt hat, wird es in der nächsten Woche dazulernen. Wir stehen bereit, unsere Forderungen weiter auf die Straße zu tragen.“

Steffen Lange, Leiter der IG Metall-Vertrauensleute beim Elektrostahlwerk Hennigsdorf (H.E.S.), kam mit einer IG Metall-Vertrauensleute-Delegation vorbei und überbrachte den Warnstreikenden solidarische Grüße. „Wir werden so lange an eurer Seite stehen, bis ihr eine tabellenwirksame Erhöhung durchgesetzt habt“, sagte Lange. „Lasst euch nicht mit einer Einmalzahlung abspeisen. Es ist genug Geld da: Deutsche Firmen schütteten in diesem Jahr so viel Geld an ihre Aktionärinnen und Aktionäre aus wie zuvor noch nie.“

Hunderte Kolleginnen und Kollegen unterschrieben während des Warnstreiks auf einem Transparent, dass sie den Erhalt ihrer Arbeitsplätze am Standort Hennigsdorf fordern. Hintergrund: Alstom plant, bundesweit mehr als tausend Arbeitsplätze im Konzern zu streichen, davon mehrere hundert am Standort Hennigsdorf. Um das zu verhindern, appellierte IG Metall-Vertrauensfrau Anja Guske-Eppmann an ihre Kolleginnen und Kollegen: „Wir müssen hier noch mehr Metallerinnen und Metaller werden, um unsere Arbeitsplätze am Standort erhalten zu können. Mitglied in der IG Metall zu sein, ist ein Prozent des Lohns wert.“